Valentina May über die Entstehungsgeschichte von „Das Geheimnis der Güldensteins“

Immer wieder fragen Leser, wie ein Schreiberling wie ich auf eine Romanidee kommt. Manchmal fliegen mir die Ideen so zu, wenn ich einen Song höre, ein Bild betrachte oder einfach nur in der Natur die Seele baumeln lasse. Die Idee zu meiner Serie „Das Geheimnis der Güldensteins“ hat es auf einem anderen Weg geschafft, mich zu erreichen.

Münchhausenhof der Weserrenaissance 1583
Hessisch Oldendorf – Münchhausenhof der Weserrenaissance – Copyright: Wikipedia/ Franzfoto

Als mein Mann und ich für eine Feier nach einer geeigneten Location gesucht haben, sind wir auch zu einer Besichtigung eines Weserrenaissance-Schlosses gefahren. Es lag umgeben von Wald und Wiesen mit einem fantastischen Ausblick auf einen Fluss. Das Schloss besaß einen bezaubernden, duftreichen Stauden- und Rosengarten mit allerlei lauschigen Plätzen. Neben dem Haupteingang hatten die Erbauer des Schlosses sich in der Mauer mit Namen und Wappen verewigt. Sicher ist vielen der Name Münchhausen ein Begriff, den meisten wegen des bekannten Lügenbarons. Doch die Familie war verzweigt und besaß sehr idyllisch liegende Schlösser und eine bewegende Geschichte.

May, Valentina - Das Geheimnis der GüldensteinsFrauenschicksale in Vergangenheit und Gegenwart üben auf mich eine solche Faszination aus, dass ich einfach mehr über sie erfahren muss. Schon als Jugendliche habe ich alle möglichen Biografien über berühmte Frauen gelesen. Also habe ich mich an meinen Computer gesetzt und über Adelsfamilien im Weserbergland recherchiert. Ich wollte wissen, wer in den Schlössern gelebt hat. Gleich beim ersten Surfversuch stieß ich auf eine Geschichte, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert hatte und mich sehr inspiriert hat zu meinem Roman.

Spitzen, Schmuck, Glas und Porzellan galten auch im 19.Jahrhundert als Luxus und verrieten Stand und Reichtum der Eigentümer. Tatsächlich gab es im Weserbergland seit dem Mittelalter viele Goldschmiede, aber auch Porzellanmanufakturen und Glashütten. Als absolute Schmuckliebhaberin lag es für mich also nahe, dass die Güldensteins eine Goldschmiededynastie waren. Alle diese Fakten boten genügend Potenzial und Stoff für einen Roman und in meinem Kopf entstanden Bilder. So wurde die Idee der Schmuckdynastie der von Güldensteins geboren.

Meine erste Überlegung war es, die Serie im britischen Raum spielen zu lassen. Doch durch einen Spaziergang im herbstlichen Wald des Weserberglands drängte sich mir dann mehr und mehr die Frage auf, weshalb die Güldensteins denn nicht in dieser wundervollen Gegend – die übrigens auch einen wundervollen Indian Summer zu bieten hat – leben könnten.

Auf dem Spaziergang gelangte ich zu einem weiteren Schloss – es gibt so einige in der Gegend. Der Anblick der dicken Mauern ließ meine Idee von der Schmuckmacherdynastie wiederaufleben. Plötzlich sah ich Amelies Gesicht vor mir – die Heldin aus Elfenbeinsonne, dem ersten Band der Serie.

Amelies Passion ist es, Schmuck zu entwerfen. Sie ahnt nicht, dass eines ihrer Schmuckstücke der Schlüssel zu einem dunklen Geheimnis der Güldensteins ist, die – wie kann es auch anders sein – in einem prächtigen Palais am Rande des Weserberglands wohnen. Amelie ist eine sensible Person, die früh ihre Mutter verloren und sich jahrelang um ihre jüngere Schwester Laura gekümmert hat. Sie ist kreativ und fantasiereich und verliert ihr Ziel nie aus den Augen. In Christian hat sie ihren Seelenverwandten gefunden. Ihre Romanze beginnt wie in einem Märchen. Sie begegnen sich im Karneval in Venedig. An die Lagunenstadt habe ich wie Amelie mein Herz verloren. Doch in der Realität gibt es nun mal keine Märchen und so werden auch Amelie und Christian auf den Boden der Tatsachen durch den Tod seines Vaters zurückgeholt. Die Liebenden verlieren sich aus den Augen und treffen nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder aufeinander. Aber auch da stehen ihnen Hindernisse im Weg, die es wegzuräumen gilt. Liebe ist stark und die beiden sind bereit, um ihr Glück zu kämpfen.

Wer nun Lust auf die Güldensteins bekommen hat, mit den Heldinnen leiden und lachen möchte, bekommt noch reichlich Gelegenheit: Laura, Amelies Schwester, ist in der Novelle Korallenmond die Hauptfigur, in Porzellanhimmel steht Gärtnerin Sophie im Mittelpunkt und im letzten Band Kristallsterne ist Nesthäkchen Tilda die Heldin.

Danach verschlägt es mich übrigens ins Alte Land und zur Familie Matthiesen. Aber das ist eine andere Geschichte …

 


Cover © Piper