Sandra Henke: Plötzlich wieder Jungfrau – Verlagsautorin goes Self-Publishing

Henke, Sandra - Copyright Ricarda OhligschlägerNun kuschele also auch ich mit der „Hure“ Self-Publishing, die die Buchbranche aufgemischt hat und von dieser lange Zeit verflucht wurde. Ich muss sagen, es macht nicht nur viel Spaß, sondern ich empfinde ein wohliges Gefühl von Freiheit.

Aber der Reihe nach.

Mein Interesse an Self-Publishing erwachte, als es mir gesundheitlich leider wieder schlechter ging. Bis dato schrieb ich für mehrere Verlage, was zwar lukrativ war und mir Sicherheit bot, aber es wurde zunehmend stressiger. Immer öfter sehnte ich mich nach mehr Freiheit und weniger Druck. Ich schielte zu den Indie-Autoren und beneidete sie. Sie müssen zwar alles selbst organisieren und in Vorkasse treten, aber inhaltlich redet ihnen niemand rein und sie bestimmen die Abgabetermine selbst. Außerdem, sind wir doch mal ehrlich, die wenigsten Verlage stellen ein Marketing-Budget zur Verfügung, was bedeutet, dass wir Autoren diese Aufgabe ohnehin übernehmen. Wenn ich allerdings in Eigenregie veröffentlichen wollte, würde ich auf Garantie-Honorar verzichten müssen. Das finanzielle Risiko läge allein bei mir.
Es gibt Argumente für und gegen Self-Publishing, was mich hadern ließ.

Verliebt in Lilly und Jack.

Als ich dann Ende 2016 einen Burnout-Rückfall hatte, was mich überraschte, dachte ich doch, ich hätte die Krankheit weitestgehend überwunden, entschied ich mich, die amüsante, anrührende und spannende Liebesgeschichte von Lilly und Jack keinem Verlag anzubieten, sondern sie selbst herauszubringen.
Verliebt in den Mond sollte mein erstes Self-Publishing-Projekt werden!
Nun, da ich die Entscheidung getroffen hatte, fühlte ich, dass das der richtige Weg war. Ich schreibe schon sehr lange und arbeite seit 2009 hauptberuflich als Autorin, dieser neue Schritt brachte frischen Schwung in meine routinierte Arbeit.

Plötzlich war ich jedoch auch wieder Jungfrau.

Blauäugig dachte ich bei Self-Publishing an: Schreiben und hochladen. Selbstverständlich wusste ich über die Arbeitsprozesse der Buchherstellung Bescheid, aber die Technik stellte mich dann und wann vor Hürden, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Steuerlich war auch einiges in die Wege zu leiten. Ich suchte mir einen Impressum-Service, weil ich meine Privatadresse nicht ins Buch schreiben wollte. An solche Dinge denkt man vorher gar nicht. Ich profitierte von den Erfahrungen anderer und möchte mich noch einmal ganz herzlich bei meinen Autorenkolleginnen Kristina Günak und Michelle Raven bedanken, die mir Fragen beantwortet haben, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie aufkommen würden.

Cover - Henke, Sandra - Verliebt in den MondAusgerechnet jetzt ideenlos.

Inzwischen gibt es glücklicherweise viele Anbieter für den Bereich Self-Publishing. Ich bin eine bekennende Cover-Fetischistin, hatte aber – ausgerechnet! – keine Ahnung, wie der Buchumschlag für „Verliebt in den Mond“ aussehen sollte. Auf jeden Fall frühlingshaft, gelb vielleicht und irgendwie kess, aber ich hatte keine konkreten Ideen, daher konnte und wollte ich keinen Cover-Designer beauftragen. Um eine Vorstellung zu bekommen schaute ich mir die Pre-mades auf diversen Internetseiten an – und entdeckte plötzlich mein Cover bei Sturmmöwen Design! Ich sah das Motiv und wusste instinktiv: Das ist es! Also sicherte ich es mir noch weit bevor ich den Liebesroman überhaupt zu Ende geschrieben hatte. Jetzt, wo ich wusste, wie mein E-Book und mein Taschenbuch aussehen würden, schrieb ich den Roman umso motivierter zu Ende.

Keine faulen Kompromisse!

Was das Lektorat betraf, war mir sofort klar, mit wem ich arbeiten wollte, und zum Glück hatte Kerstin Thieme gerade so eben noch Kapazitäten frei. Wir kennen uns schon eine kleine Ewigkeit. Das erste Mal trafen wir uns auf einer Buchmesse, damals kam sie als Leserin. Inzwischen lektoriert sie Romane für renommierte Verlage und erfolgreiche Self-Publisher. Sie deckte einen Recherchefehler von mir auf, was wieder einmal bewies, wie wichtig ein professionelles Lektorat ist. Ich kann nur jedem empfehlen, das Cover von einem Profi gestalten zu lassen und in ein Lektorat zu investieren. Macht man halbe Sachen, rächt sich das!

Verliebt in meine „Herzchenkonfetti“-Reihe.

Inzwischen sind E-Book und Taschenbuch exklusiv bei Amazon erschienen und ich bin äußerst zufrieden mit dem Ergebnis. „Verliebt in den Mond“ ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nicht nur inhaltlich, sondern auch die Präsentation. Ich erlaube mir, stolz auf mich selbst zu sein, denn das Ergebnis kann problemlos mit Verlagsveröffentlichungen mithalten und ist zu Hundertprozent „mein Baby“.
Jetzt bin ich also eine sogenannte Hybrid-Autorin. Das klingt, als wäre ich ein Wesen, das durch Gen-Experimente entstanden ist. Im Grunde ist es das auch, ein Experiment. Ich wollte endlich mitreden können, was Self-Publishing betrifft. Mission erfüllt!

Welche Romane sind von mir zu erwarten?

Aktuell schreibe ich an Band 2 meiner „Herzchenkonfetti“-Reihe über das Cowgirl Carly und den Snob Nathan, aber danach ist wieder ein Erotiktitel für den Heyne Verlag geplant. Warum sich auf eine Art zu veröffentlichen festlegen? „Mein Herz ist ein Chamäleon“, so heißt nicht nur ein Liebesroman von mir, sondern es trifft auch auf mich als Autorin zu, denn ich genieße die verschiedenen Veröffentlichungsmöglichkeiten der Buchbranche. Sich immer wieder zu verwandeln, bringt frischen Wind ins Schreiben und das spüren am Ende auch die Leser, wenn sie Romane lesen, die mit Herzblut geschrieben sind.


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Foto © Ricarda Ohligschläger
Cover © Sandra Henke

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