Nadine Gerber: Wie ich – endlich – meinen Debütroman schrieb

Gerber, Nadine - Copyright Andy Crestani

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„Das Schreiben ist Reise und Ankerpunkt zugleich.“

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Dieses Zitat stammt von der Schweizer Autorin Brigitte Fuchs. Ich finde, es beschreibt sehr genau, was während eines Schreibprozesses in einem Autor vorgeht. Er begibt sich auf die Reise: Er erschafft Charaktere, entwickelt sie weiter, spannt einen roten Faden, verbindet Handlungsstränge, beschreibt neue Welten – und das alles tut er an einem Tisch, an einem Laptop, in einer stillen Kammer. Er ist allein, bei sich, verankert mit dem, was er tut.

Ich bin einer der Menschen, die im Schreiben aufgehen können. Ich bin glücklich, wenn ich schreibe. Vielleicht deshalb habe ich es schon fast mein ganzes Leben lang getan. Aufsätze, Tagebücher, Kurzgeschichten. Später dann als Journalistin Interviews, Artikel, Reportagen.

Schon als Kind habe ich behauptet, dass ich eines Tages einen Roman schreiben werde. Immer wieder habe ich es gesagt, habe es ganz oben auf meine To-do-Liste gepackt. Ich habe es auch wirklich versucht. Wieder und wieder. Und jedes Mal bin ich kläglich gescheitert. Meine Geschichten fanden allesamt ein rasches Ende. Das Los einer Journalistin, die es gewohnt ist, immer so schnell wie möglich auf den Punkt zu kommen. Ich habe das Projekt „Roman schreiben“ auf irgendwann verschoben. Vergessen habe ich es nie.

Cover - Gerber, Nadine - Galway Girl - PiperJetzt, wo ich meinen ersten Roman geschrieben habe, denke ich, dass es einfach den richtigen Zeitpunkt gebraucht hat. Eine kleine Sinnkrise hat dazu geführt, dass ich angefangen habe, mein Leben zu überdenken. Ich bin nicht glücklich. Warum nicht? Ich sollte doch glücklich sein. Was muss ich ändern? Diese Fragen habe ich mir im Herbst 2016 immer wieder gestellt. Gleichzeitig hatte ich auf einmal diese Geschichte im Kopf. Sie hat mich abgelenkt, mich zum Lächeln gebracht, mir Energie gegeben. Ich habe trotzdem einige Monate gebraucht, bis ich realisiert habe, dass die Geschichte nicht nur sich selbst erzählen, sondern auch mir etwas sagen will. „Schreib mich auf!“

Stunde um Stunde habe ich ab diesem Zeitpunkt, es war im Frühsommer 2017, am Laptop verbracht. Ich habe geschrieben, nachgedacht, geschrieben, strukturiert, geschrieben, gelöscht, geschrieben, geschrieben und geschrieben. Am Ende hatte ich meinen ersten Roman auf dem Desktop: Galway Girl. Der Roman erzählt die Liebesgeschichte von Mila und Ben. Zwei Menschen, zwei Länder, zwei Schicksale. Trotzdem verlieben sie sich – und müssen erkennen, dass die Liebe alleine manchmal nicht reicht, um zusammen zu sein und zu bleiben. Das alles spielt zu einem großen Teil in der romantischen Kulisse von Galway, Irland.

Ja, Anfang Juni erscheint mein Debütroman „Galway Girl“ im Piper Verlag. Ich bin sehr stolz, dass ich es geschafft habe. Dass ich auch Autorin sein kann. Dass ich meinen Lebenstraum verwirklichen konnte. Ich bin gespannt, wie die Leserinnen die Geschichte finden werden. Ich freue mich schon auf viele Feedbacks, Reaktionen, Fragen und einen hoffentlich tollen Austausch.


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Foto © Andy Crestani