Michael Ballhaus ist tot

in memoriamMichael Ballhaus
1935 – 2017

Von den Filmschaffenden, die hinter der Kamera arbeiten, war Michael Ballhaus einer der Bekanntesten – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. In der Nacht ist der gebürtige Berliner in seiner Heimatstadt im Alter von 81 Jahren gestorben.

Als Sohn zweier Theaterschauspieler wuchs er neben den Brettern, die die Welt bedeuten, und in Künstlerkreisen auf. Doch nicht die Schauspielerei wurde seine Leidenschaft. Früh begann er, die Aufführungen seiner Eltern zu fotografieren, und entwickelte bald darauf auch Interesse für die Arbeit als Kameramann. Folglich absolvierte er eine Fotografenausbildung und trat danach eine Kameraassistenz beim SWF an, wo er diverse Fernsehfilme drehte und sich zum Chef-Kameramann hocharbeitete.

Ende der 1960er Jahre wechselte er zu Kinoproduktionen und wurde nebenbei erstmals als Dozent tätig. 1970 lernte er den jungen, aufstrebenden Regisseur Rainer Werner Fassbinder kennen, mit dem er fortan eng zusammenarbeitete. In dieser Zeit machte er die 360-Grad-Kamerafahrt populär, die schließlich sogar nach ihm benannt wurde und seitdem als Ballhaus-Kreisel bekannt ist. Durch die Filme mit Fassbinder, die auch international Anerkennung fanden, wurden amerikanische Filmemacher auf Ballhaus aufmerksam, so auch Martin Scorsese, der ihn zu seinem Lieblingskameramann auserkor.

Ab Mitte der 1980er Jahre verlagerte er seine Tätigkeit so vollends nach Hollywood und zeichnete für die Kamera in zahllosen großen Produktionen verantwortlich, von „Die Farbe des Geldes“ mit Paul Newman und Tom Cruise, über Wolfgang Petersens „Air Force One“ bis hin zu „Departed – Unter Feinden“ unter der Regie seines Freundes Scorsese. Kurz danach starb seine Frau, mit der er Jahrzehnte lang nicht nur sein Leben, sondern auch oft seine Arbeit geteilt hatte. Danach zog es ihn wieder zurück in die alte Heimat.

Seinen letzten Film, „3096 Tage“, drehte er 2013 in Deutschland mit seiner zweiten Ehefrau, der Regisseurin Sherry Hormann. Zu dieser Zeit litt er schon seit Jahren an Grünem Star. Der immer stärker voranschreitende Verlust seiner Sehkraft war für den Meister des visuellen Erzählens ein herber Schlag. Seine Fachkompetenz, an der er stets Nachwuchstalente teilhaben ließ, und seine künstlerische Leistung wurden jedoch weiterhin geschätzt und mehrfach ausgezeichnet, so zuletzt auf der Berlinale 2016, wo er den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhielt. Seine beiden Söhne zog es ebenfalls in die Filmbranche. Florian Ballhaus ist sogar in die Fußstapfen seines Vaters getreten.


Wikipedia über Michael Ballhaus

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