Mein erstes Buch auf Deutsch – Kendra Fortmeyer und „Was uns ganz macht“

In dieser Rubrik stellen wir fremdsprachige Autoren vor, von denen erstmals ein Buch ins Deutsche übersetzt wurde. Diesmal zu Gast ist Kendra Fortmeyer mit ihrem deutschsprachigen Debüt Was uns ganz macht, das bei Oetinger erschienen ist.

Cover - Fortmeyer, Kendra - Was uns ganz macht - Oetinger

 

 

Für die Liebe musst du nicht perfekt sein! Morgan hat ein Geheimnis. Sie ist anders als die anderen und das hat sie siebzehn Jahre für sich behalten. Eines Tages beschließt sie, sich nicht länger zu verstecken und wird unfreiwillig zum Internetstar. Die Medien reißen sich um das vermeintlich unperfekte Mädchen. Im Krankenhaus lernt sie kurz darauf Howie kennen, der buchstäblich ihr perfektes Gegenstück ist. Sie könnten sich gegenseitig heilen, aber können sie sich gegenseitig auch ganz machen?

 

 

Über mich:
Mein Name ist Kendra Fortmeyer und ich bin aus North Carolina, USA.

Wie ich Autorin wurde:
Ich habe mich schon immer als Schriftstellerin gefühlt – so lange ich denken kann. Das verdanke ich meinem Großvater. Als ich noch ganz klein war, saß ich ihm immer zu Füßen und erzählte ihm Geschichten über meine Puppen und Spielzeuge, die er dabei in seinen uralten Computer eingab. Das war noch so einer mit schwarzem Bildschirm und grünen Buchstaben, mit Floppy Disks, die so groß waren wie mein Kopf. Wenn er sie fertig getippt hatte, druckte er sie aus und las sie meiner Mutter und mir vor. Dieses Gefühl, eine Geschichtenerzählerin zu sein, deren Worte es wert waren, gedruckt und gelesen zu werden, hat mich als Kind tief beeindruckt. Da stand es außer Frage, dass ich dazu bestimmt war zu schreiben, wenn ich groß war.

Mein erstes Buch auf Deutsch:
Mein erstes Buch auf Deutsch, „Was uns ganz macht“, ist die Übersetzung von „Hole in the Middle“, das auch auf Englisch mein Debüt war. Erschienen ist die deutsche Ausgabe im September 2017 bei Oetinger. Das Buch, das zum magischen Realismus gehört, dreht sich um ein Mädchen, das ein Loch in der Mitte ihres Körpers hat. Sie fühlt sich wie viele von uns – dass ein Teil von ihr fehlt und dass sie irgendwie mangelhaft ist, weshalb sie es nicht wert ist, geliebt zu werden und Freunde zu haben. Es geht aber auch darum, wie alle Welt die Körper und die Sexualität von Mädchen überwacht und kritisiert – und um die kleinen, aber so herrlichen Revolutionen, dagegen anzukämpfen, indem man sich selbst liebt.

Von der Idee bis zum Buch:
Der Roman kam in Form einer sehr merkwürdigen Idee zu mir. Nach einem lausigen Date lag ich bei mir zuhause auf dem Boden und dachte: „Dates wären so viel schwieriger, wenn ich in der Mitte ein Loch hätte.“ Und urplötzlich fing die Protagonistin der Geschichte an zu quasseln. Sie hatte eine Menge zu erzählen! Den ersten Entwurf des Buches schrieb ich in etwa einem Jahr, ein weiteres brauchte ich, um das Manuskript zu überarbeiten. Ich hatte bis dahin nur Kurzgeschichten geschrieben und wusste noch nicht, wie ich einen Roman verfasse. Das bedurfte einiger Kopfarbeit und vielem Umschreiben.

Wie ich herausfand, dass ein deutscher Verlag die Rechte an meinem Buch gekauft hatte:
Meine wunderbare Agentin rief mich letzten Sommer an und sagte: „Schnell, welches ist dein liebstes Land in Europa?“ Ich war so verblüfft, dass ich nichts erwiderte, und sie drängte mich: „Sag Deutschland!“ Also antworte ich: „Deutschland?“ Woraufhin sie meinte: „Gut, denn dein Buch wird dort nächsten Herbst veröffentlicht.“

Fortmeyer, Kendra - privat

Was das für ein Gefühl war:
Ich war total aus dem Häuschen. Zuerst habe ich es meiner besseren Hälfte erzählt, dann meiner Mutter, bevor ich die gute Neuigkeit an alle meine Freunde weitergab. Man muss ja Prioritäten setzen!

Wie ich von der Veröffentlichung erfuhr:
Es hat sich eine ganz tolle Freundschaft zwischen mir und meiner unglaublich talentierten deutschen Übersetzerin Fabienne Pfeiffer entwickelt. Während sie mit großem und nuanciertem Verständnis in das Buch eingetaucht ist, hat sie mich auch auf dem Laufenden gehalten bezüglich des Veröffentlichungstermins und des Covers. Unsere Freundschaft hat die Veröffentlichung noch großartiger gemacht. Und ich habe für uns zusammenpassende Freundschaftsarmbänder anfertigen lassen, in die unsere beiden liebsten Ausdrücke aus dem Roman eingraviert sind: „Meckerkomplize“ und „sentimentale Schmachtnudel“.

Das deutsche Cover:
Ich liebe den deutschen Titel des Buches – er ist so poetisch und wunderschön. Das Cover ist etwas romantischer, als ich erwartet habe, aber ich hoffe, dass die deutschen Leser es mögen.

Wo ich mein Belegexemplar aufbewahren werde:
Ich warte schon ganz ungeduldig auf die deutschen Ausgaben. Aber da sie natürlich erst über den großen Teich müssen, sollte ich vermutlich eine Runde meditieren gehen. Ich freue mich schon darauf, ein Exemplar neben seinen englischsprachigen Kumpel zu stellen. Vielleicht wispern sie sich nachts Geheimnisse in verschiedenen Sprachen zu.

Die ersten Leserreaktionen:
Da das Buch noch nicht sehr lange draußen ist, hat sich noch niemand bei mir gemeldet. Aber ich würde gerne hören, wie es den deutschen Lesern gefällt. Erzählt es mir auf Twitter, dort findet ihr mich als @kendraffe.

Was ich meinen deutschsprachigen Lesern sagen möchte:
Ich schreibe gerade an einem zweiten Jugendbuch, diesmal über Sexualerziehung. Ich fände es schön, wenn es auch ins Deutsche übersetzt wird. Es wäre großartig, ein weiteres Projekt mit Fabienne anzugehen.

Meine Webseite:
www.kendrafortmeyer.com
Derzeit ist es eine rein englischsprachige Seite, aber wenn ich irgendwann mal mehr Bücher auf Deutsch draußen habe, würde ich sie gerne erweitern.


Cover und Klappentext © Oetinger
Foto © Kendra Fortmeyer

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