Mein erstes Buch auf Deutsch: Anne Eliot und „Almost“

In dieser Rubrik stellen wir fremdsprachige Autoren vor, von denen erstmals ein Buch ins Deutsche übersetzt wurde. Diesmal zu Gast ist Anne Eliot mit ihrem deutschsprachigen Debüt Almost, das bei dtv erschienen ist.

Cover - Eliot, Anne - Almost - dtv

Drei Jahre ist die Nacht her, die das Leben der heute siebzehnjährigen Jess für immer veränderte. Nun will Jess nichts mehr, als wieder ein normales Leben führen – und dazu braucht sie 1. das Sommerpraktikum bei der Firma geekstuff.com, 2. ein soziales Leben und 3. einen Freund. Denn nur, wenn sie all das hat, werden ihre Eltern ihr glauben, dass alles wieder okay ist bei ihr, und sie endlich wieder ein normales Leben führen lassen. Als ausgerechnet ihr Mitschüler Gray sich als Mitkonkurrent für das Praktikum entpuppt, bietet sich für Jess die perfekte Lösung für alle drei Punkte: Sie teilen sich den Job, Gray bekommt das ganze Geld und tut dafür so, als wäre er ihr Freund. Was Jess aber nicht weiß: dass Gray seine ganz eigenen Gründe hat, sich auf den Deal einzulassen.

 

Über mich:
Mein Name ist Anne Eliot und ich wohne in Crested Butte, Colorado, in den USA.

Wie ich Autorin wurde:
Das ist eine schwierige Frage, denn ich schreibe schon mein ganzes Leben lang. In der vierten Klasse habe ich eine Geschichte zu Papier gebracht, von der meine Lehrerin glaubte, dass ich sie irgendwo abgeschrieben und dann als meine eigene ausgegeben habe. Sie hat deswegen sogar meine Eltern angerufen. Im Unterricht hat sie uns dann unangekündigt innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine Geschichte schreiben lassen. Was ich geschrieben habe, weiß ich gar nicht mehr genau, aber scheinbar hat es sie überzeugt, denn sie hat sich an diesem Tag sehr nachdrücklich bei mir entschuldigt. Und dann hat sie mir ein leeres Notizbuch geschenkt, mit einer Widmung von ihr – dass ich hoffentlich eines Tages Schriftstellerin werden würde. Also … hab ich ihr den Wunsch erfüllt. Es dauerte jedoch sieben lange Jahre mit verschiedenen Manuskripten, bis ich meine Agentin gefunden hatte und mein erstes Buch veröffentlicht wurde.

Mein erstes Buch auf Deutsch:
Mein erstes ins Deutsche übersetzte Buch heißt „Almost“ und ist im März 2016 bei dtv erschienen. Es handelt sich dabei um einen Jugendliebesroman, der in der Gegenwart spielt. Darin geht es um ein sehr verletzliches Mädchen, das immer noch unter den Ereignissen der Vergangenheit leidet – als Vierzehnjährige ist sie heimlich auf eine Party gegangen und wurde dort von einem älteren Schüler fast vergewaltigt. Jetzt, Jahre später, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als nach vorne zu schauen. Sie möchte studieren, doch die Wunden dieser Nacht sitzen tief. Also beschließt sie, sich einen Sommerjob zu suchen und bezahlt einen Mitschüler dafür, dass er so tut, als sei er ihr Freund, um ein anderes, normales Leben vorzutäuschen und sich selbst zu beweisen, dass mit ihr alles in Ordnung ist.

Anne Eliot bei einer Signierstunde © privat
Anne Eliot bei einer Signierstunde © privat

Von der Idee bis zum Buch:
Die Idee zu „Almost“ stammt aus meiner eigenen Highschoolzeit, als meine beste Freundin bei einer Party vom älteren Bruder einer anderen Freundin vergewaltigt wurde. Sie hat mir gesagt, was passiert ist, wir haben beide geheult und keiner anderen Menschenseele je davon erzählt. Das war 1987. Ihre Eltern waren sehr streng. Eigentlich hätten wir überhaupt nicht auf dieser Party sein dürfen, geschweige denn Alkohol trinken, und damals waren die Gesetze zur Strafverfolgung bei sexuellen Übergriffen noch sehr lasch. Ihre Eltern hätten ihr die Schuld daran gegeben, die anderen Jugendlichen an unserer Schule hätten darüber getratscht, und so beschlossen wir, es geheim zu halten.
Meine Freundin war ein zierliches, fröhliches Mädchen. Jeder hat sie gemocht. Doch dieser Abend hat sie völlig verändert und sie wurde schwermütig. Ich war damals groß und stark. Nachdem sie mir von der Vergewaltigung berichtet hatte, warf ich mir vor, dass ich sie hätte beschützen müssen. Ich hätte zu gern die Zeit zurückgedreht und ihr geholfen, aber das konnte ich nicht. Wir wurden erwachsen, gingen zur Uni, heirateten. Jede war bei der Hochzeit der anderen dabei, doch über diese Sache sprachen wir nie wieder. Das Buch habe ich geschrieben, um dieses Thema endlich verarbeiten zu können und um ihr zu zeigen, wie tief sich diese Sache in meine Seele eingebrannt hat. Dass ich nachvollziehen kann, wie sehr dieses Erlebnis sie immer noch belasten muss, wenn selbst ich nach so vielen Jahren immer noch nicht darüber hinweg bin.
Außerdem kam meine Tochter zu diesem Zeitpunkt in die Oberstufe. Sie und ihre hübschen Freundinnen waren so verletzlich und liebenswert … Ich wollte sie wissen lassen, was passiert war, ohne ihnen einen Vortrag darüber zu halten, den sie sowieso ignoriert hätten. Ich wollte ihnen eine Geschichte über Liebe und übers Weitermachen erzählen, und über einen Jungen, der einen so guten, netten Charakter hat, dass er alles für das Mädchen tun würde, in das er heimlich verliebt ist. Gleichzeitig sollte die Geschichte aber auch die Erfahrung transportieren, dass man besser zweimal darüber nachdenkt, ob man wirklich mitkommt, wenn ein Junge auf einer Party sagt „lass uns nach oben gehen“.

Wie ich herausfand, dass ein deutscher Verlag die Rechte an meinem Buch gekauft hatte:
Ach herrje. Sie wissen ja, wie viel Zeit bis zu einer Veröffentlichung vergehen kann. Das war vor mehr als zwei Jahren, und ich kann mich lediglich daran erinnern, weil wir damals eine Austauschschülerin kannten, die sehr eng mit meiner Tochter befreundet war. Ihr Name war Greta Heidel und sie kam aus Leipzig. Ich weiß noch, dass es an diesem Tag geschneit hat. Ich hatte das ganze Auto voller Jugendlicher: meine Tochter, Greta, unser eigener Austauschschüler Iver und noch ein paar weitere Mädchen. Als meine Agentin anrief, bin ich rechts rangefahren und habe die Kinder gebeten, mal kurz leise zu sein. Das war so aufregend und wir waren uns einig, dass Greta unser deutscher Glücksbringer gewesen sein musste.

Was das für ein Gefühl war:
Es ist ein unglaubliches und verrücktes Gefühl, wenn man herausfindet, dass die eigenen Worte in eine andere Sprache übersetzt werden. Gleichzeitig erfüllte es mich mit Dankbarkeit und Bescheidenheit. Als Autorin veröffentlicht zu werden, ist schon ein Traum, aber wenn man sich dann überlegt, dass die Geschichte noch in eine andere Sprache übertragen wird, dann erfüllen sich gleich zwei Träume. Und ein Buch zu übersetzen ist eine große Aufgabe! Es ist irgendwie surreal. Als flöge man zum Mond, obwohl man sich nicht mal sicher war, dass man es übers Dach hinaus schafft. Verstehen Sie, was ich meine?

Wie ich von der Veröffentlichung erfuhr:
Das Erscheinungsdatum stand im Vertrag, also habe ich das schon gleich damals kurz nach dem Anruf erfahren. „Almost“ wurde aus verschiedenen Gründen vom Verlag noch mal ein wenig nach hinten verschoben, aber schließlich stand die Veröffentlichung im März 2016 fest, und das war toll.

Die Hunde der Autorin in Crested Butte: der deutsche Schäferhund Blue (8 Monate) und Pico DeGuy, den die Familie mit gebrochenem Bein am Straßenrand fand © privat
Die Hunde der Autorin in Crested Butte: der deutsche Schäferhund Blue (8 Monate) und Pico DeGuy, den die Familie mit gebrochenem Bein am Straßenrand fand © privat

Das deutsche Cover:
Das Cover ist so wunderschön. Das Mädchen sieht sogar ein bisschen aus wie unsere Glücksbringerin Greta. Die Coverdesignerin ist sehr talentiert. Mir gefällt, dass es am Rand so ein bisschen verwischt aussieht. Außerdem kann ich mich sehr für Schrifttypen begeistern, und den Font, den man hier gewählt hat, liebe ich sehr.

Wo ich mein Belegexemplar aufbewahren werde:
Leider habe ich von dtv bisher noch keine Belegexemplare erhalten. Ich möchte nur ungern nachfragen, aber ich habe einen kleinen Stapel mit anderen Übersetzungen meiner Bücher in einem besonderen Regal, und dieses wunderschöne Buch stelle ich dann dazu.

Die ersten Leserreaktionen:
Die ersten Reaktionen kamen per Twitter, und einige Leser haben mir auch über Facebook Nachrichten geschrieben. Es ist unglaublich schön zu hören, was die Leser denken. Und auch das fühlt sich irgendwie surreal an. Ich bin auch sehr dankbar für Google Translate, denn dadurch kann ich die deutschen Rezensionen verstehen.

Was ich meinen deutschsprachigen Lesern sagen möchte:
Ich bin zutiefst dankbar, dass sie mein Buch lesen. Das bedeutet mir sehr viel und ich kann meine Dankbarkeit dafür kaum in Worte fassen. Dass dtv dieses Buch gekauft und eine wunderbare Übersetzerin gefunden hat, dass sie dieses wunderschöne Cover gestaltet haben, dass es insgesamt zu einem so schönen Gesamtpaket geworden ist und dass die deutschen Leser so stark und so positiv darauf reagieren, das ist unfassbar toll. Ich hoffe, es wird noch viele weitere Bücher von mir auf Deutsch geben.

Meine Webseite:
www.AnneEliot.com