Luisa Valentin über die Idee zu „Jeder neue Tag mit dir“

Wie geht es weiter nach dem Happy End?

Genau diese Frage stellte ich mir, als ich vor einigen Jahren als Gast auf einer Hochzeit von lieben Freunden war. Das strahlend glückliche Brautpaar bekam einen Koffer überreicht, in den jeder Gast ein ganz persönliches Geschenk gelegt hatte. Diesen Koffer darf das Brautpaar erst am 15. Hochzeitstag öffnen – oder wenn die Ehe vor dem Aus steht. Während ich mir darüber Gedanken machte, was denn wohl alles in dem Koffer sein könnte und wie diese Geschenke und Nachrichten eine Brücke in die Zukunft schlagen würden, kam mir ganz plötzlich die Idee zu meinem Roman Jeder neue Tag mit dir, welcher ursprünglich den Arbeitstitel „Der Hochzeitskoffer“ hatte.

Cover - Valentin, Luisa - Jeder neue Tag mit dir von Luisa ValentinDie Geschichte beginnt in der Vergangenheit mit einem Heiratsantrag in Lissabon, den der Kameramann Markus seiner Freundin Kathrin macht. Bereits im nächsten Kapitel springen wir in die Gegenwart nach München. Die beiden sind inzwischen längst verheiratet. Es ist Kathrins Geburtstag und Markus kommt früher von Dreharbeiten nach Hause, um sie zu überraschen. Doch diese Überraschung geht ordentlich in die Hose, denn er ertappt seine Frau dabei, wie sie kurz davorsteht, ihn mit ihrem Arbeitskollegen zu betrügen. Markus fühlt sich, als ob man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Es kommt zu einem heftigen Streit, und er verschwindet erst einmal zu seinem besten Kumpel, um einen klaren Kopf zu bekommen. Die Ehe scheint vor dem Aus zu stehen.

Als er am nächsten Tag zurück nach Hause kommt, um mit Kathrin zu reden, hat sie den Hochzeitskoffer mit den Geschenken, den sie vor dreizehn Jahren bekommen haben, vom Speicher geholt. Nach einigem Hin und Her beschließen sie, ihn zu öffnen. Mit jedem Geschenk, das sie auspacken, und mit jeder Nachricht, die sie von den damaligen Hochzeitsgästen lesen, erleben die beiden ein Wechselbad der Gefühle. Sie tauchen immer mehr ein in Erinnerungen an ihre Familie und Freunde und vor allem an die Anfänge ihrer Liebe. Doch reicht diese emotionale und manchmal auch prickelnde Reise in die Vergangenheit aus, um die Probleme, die sie inzwischen haben, zu lösen und damit ihre Ehe zu retten? Oder ist es jetzt an der Zeit, sich schweren Herzens doch einzugestehen, dass es für sie als Paar keine gemeinsame Zukunft mehr geben kann?

Die Schwierigkeit, oder besser gesagt, die Herausforderung an mich bei dieser Geschichte war es, das große Gefühlschaos, in dem die beiden stecken, authentisch darzustellen. Und gleichzeitig mussten Kathrin und Markus für den Leser natürlich sympathisch bleiben. Nach dreizehn Jahren Ehe kämpfen sie mit Problemen, mit denen auch andere Paare im Laufe einer Beziehung konfrontiert werden. Umso bedeutsamer sind in der Geschichte die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen. Sie zeigen dem Leser auch die lustigen, berührenden, sinnlichen und abenteuerlichen Momente des Paares. Kathrin und Markus sind keine unfehlbaren Helden, sondern Menschen wie du und ich, mit all ihren Fehlern und Schwächen. Aber auch mit ihren Stärken und Besonderheiten, die sie ausmachen und die sie füreinander attraktiv und liebenswert machen.

Koffer

Beim Schreiben fühlte ich mich diesen beiden Figuren ganz besonders nah, mit all der Unsicherheit, den Hoffnungen und Ängsten um die ungewisse Zukunft, mit denen sie zu kämpfen haben. Am Herzen lagen mir aber auch die Menschen in ihrem Umfeld, die in ihrem Leben eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen. Menschen, die sie in vielerlei Hinsicht mitgeprägt haben. Die Familien der beiden, beste Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen. Inzwischen sind nicht mehr alle von ihnen am Leben und zu einigen haben Kathrin und Markus leider den Kontakt verloren. Während sie die Päckchen öffnen und die Nachrichten dazu lesen, sind ihnen diese Menschen durch die Erinnerungen wieder ganz besonders nah. Es wird ihnen bewusst, wie wichtig es ist, achtsam und respektvoll miteinander umzugehen und das kostbare Geschenk Leben zu schätzen, egal, ob man sich dazu entscheidet, den weiteren Weg gemeinsam oder alleine zu gehen.


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Cover © Blanvalet

Foto © TD