Lieblingshelden: Der Wikinger von Michelle Styles

Lieblingshelden – das sind Romanfiguren eines bestimmten Typus, deren Bezeichnung allein Bilder im Kopf von Lesern entstehen und ihr Herz höherschlagen lassen; Protagonisten, deren Charaktereigenschaften und Handlungsweisen einer Geschichte ihren speziellen Stempel aufdrücken. Und wer wäre besser geeignet, etwas über sie zu erzählen, als die Autoren, die sie in ihren Büchern zum Leben erwecken?

Cover - Styles, Michelle - Was ein Wikinger begehrt - CORA

Michelle Styles schreibt humorvolle, warmherzige und sinnliche historische Liebesromane, die in diversen Epochen spielen. In letzter Zeit hat sie sich besonders auf die Wikingerzeit konzentriert, so etwa in Was ein Wikinger begehrt, der im Juni 2018 als Historical Band 342 bei CORA erschienen ist und eine Fortsetzung zu Die Rückkehr des stolzen Kriegers aus dem September 2016 bildet. In ihrem neuesten Buch auf Deutsch erzählt sie die Geschichte eines Wikingerkriegers, der an die Küste Northumbrias gespült und von einer einheimischen Lady gerettet wird, die selbst ums Überleben kämpft.

 

Warum Wikinger so fantastische Liebesromanhelden sind

Es gibt ein gewisses Etwas, das Wikinger als Helden von Liebesromanen umweht, das die Fantasie von Lesern beflügelt und sie nicht mehr loslässt. Zum einen sind sie unglaublich männliche Alphahelden. Sie sind Krieger, die bereit sind, zu beschützen und zu verteidigen. Sie sind Helden, die einem Ehrenkodex folgen und wissen, wie wichtig es ist, zu einem Eid zu stehen. Als Helden sind sich Wikinger und Highlander sehr ähnlich und besitzen einige derselben Qualitäten. Doch Wikinger sind vielleicht noch ausgeprägtere Alphahelden, einfach aufgrund der Gesellschaft, in der sie leben.

Wikingerboot

So manche der Traditionen in den Highlands haben ihren Ursprung in der lang anhaltenden Präsenz der Wikinger in Schottland. Einige der Clans, etwa die MacDonalds, wurden von nordisch stämmigen Kriegern gegründet. Aus dem Begriff gall-gaedhil, was so viel wie ausländischer Krieger bedeutet, wird schließlich Galloway. Wegen der Mischehen, die aus politischen Gründen geschlossen wurden, ist es heutzutage tatsächlich sehr schwer, die altnordischen und die keltischen kulturellen Einflüsse im westlichen Schottland voneinander zu trennen. Und auf den Shetlandinseln wird heute noch Ende Januar das Wikingererbe mit dem jährlichen Festival Up Helly Aa gefeiert.

Da die Wikingerkultur eine heidnische war, übten Krieger eine Vorbildfunktion aus und schlossen sich in sogenannten félags oder Kriegerbünden zusammen, in denen die Schwüre jedes Jahr erneuert wurden. Wenn jemand einem Mann seinen Treueeid gab, bedeutete das jedoch nicht, dass dieser auch auf seinen Sohn überging. Die Loyalität musste man sich verdienen durch seine Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld. Kurz gesagt gab es im vorchristlichen Skandinavien, der Heimat der Wikinger, eine Form von Demokratie. Alle Helden sind Selfmademen. Sie haben sich ihren Heldenstatus verdient. Sie haben nicht bloß ein großes Anwesen geerbt oder besitzen mehr Geld, als sie je ausgeben können. Sie sind in ihre hohe Stellung nicht hineingeboren worden, sondern haben sie dank eigener Verdienste erreicht. Deshalb sind Wikingerhelden sehr starke Persönlichkeiten.

Vikings - Staffel 1 © Twentieth Century Fox
Vikings – Staffel 1 © Twentieth Century Fox

Und weil die Wikingerhelden so starke Persönlichkeiten sind, können die Heldinnen, mit denen sie zusammenkommen, ebenso stark und selbstbestimmt sein. Je stärker der Held, desto stärker muss auch die Heldin sein, damit es eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist.

Forschungsarbeiten jüngerer Zeit, die auch DNA-Untersuchungen an Skeletten aus der Wikingerzeit beinhalteten, haben gezeigt, dass Frauen damals nicht die zarten, sanftmütigen Geschöpfe waren, als die männliche Autoren im viktorianischen Zeitalter sie gerne hingestellt haben oder deren vermeintliche Tugenden von frauenfeindlichen Mönchen des Mittelalters zu einem Idealbild erhoben wurden. Sie waren vielmehr ziemlich schlagkräftig. Die DNA-Untersuchungen beweisen, dass einige von ihnen selbst Kriegsführerinnen wurden. Bis sie von diesen Genanalysen widerlegt wurden, hatten männliche Archäologen versucht zu argumentieren, dass weibliche Wikingerkrieger ein Mythos seien, weil nie ein Grab mit Schwertern und Spindeln gefunden worden war. Seit diesen Entdeckungen können sich Liebesromane, die in der Wikingerzeit spielen, einigen der Frauen zuwenden, die aus der Geschichtsschreibung herausretuschiert worden sind.

Make a date with Harlequin - Viking

Die Fantasievorstellung, von einem starken Beschützer, der seine Gefährtin respektiert, auf die Arme gehoben und hinweggetragen zu werden

In der Gemeinschaft der Wikinger waren Scheidungen erlaubt. Frauen hatten die Wahl, wen sie heiraten – und mit wem sie verheiratet bleiben wollten. Damit hatten sie einen viel besseren Stand in einer Ehe als etwa eine Frau in der Regency-Zeit, die quasi zum Eigentum ihres Ehemannes wurde. Diese historische Tatsache führt dazu, dass in einer Wikingerehe eine viel moderne Dynamik herrscht als in einer im Regency oder der eines Highlanders.

Als meine Lektorin mir 2006 erstmals vorschlug, einen Liebesroman zu schreiben, der in der Wikingerzeit spielt, hatte das Fachmagazin Publisher’s Weekly gerade verkündet, dass Wikingerliebesromane out seien. Das lag daran, dass viele der früheren Vertreter des Genres die Brutalität der Epoche hervorhoben und eine gewaltsame „Verführung“ beinhalteten. Für mich war klar, dass ich nur über Helden schreiben konnte, die wussten, dass eine einvernehmliche Beziehung sexy ist, und die sich auch nicht mit weniger zufrieden geben würden. Sowohl meine Lektorin als auch mein Verlag standen dabei hinter mir und so begann ich, meine Wikingerliebesromane zu schreiben. Der erste, Taken by the Viking, erschien 2007 in Großbritannien und läutete die Wiedergeburt des Genres ein. Aktuell ist es weiterhin ganz und gar nicht tot, sondern weltweit so populär, dass der Wikingerheld eine bezeichnende Rolle in der kürzlichen „Make a Date“-Werbekampagne von Harlequin gespielt hat.

Fernsehserien wie Vikings, The Last Kingdom und sogar Game of Thrones haben das Interesse an der Epoche belebt, aber ich glaube, es wird immer Leser geben, die sich nach einem richtigen Wikingerliebesromanhelden sehnen.


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Bilder © CORA, Harlequin, Twentieth Century Fox, Alive, Warner Bros., Pixabay