Leseprobe Nadine Mutas – Dämonische Verführung


Werbung
Werbung

 

Übersinnlicher Liebesroman
NADINE MUTAS
Dämonische Verführung
Blood, Pain, and Pleasure
Self-Published
TB, €15,99/ E-Book, €4,99
September 2016
www.nadinemutas.net

 

 


Er legte eine Hand auf sein Herz. „Wie du mich kränkst, kleine Hexe. Dass du glaubst, ich hätte keine Ehre…“ Mit einem dramatischen Seufzer schenkte er ihr seinen allerbesten Blick leidgeprüfter Heiligkeit. „Außerdem“, fügte er lächelnd hinzu, „würde ich mir doch nicht all den Spaß entgehen lassen wollen, den ich mit dir haben könnte.“

Spaß?

„Aber ja.“ Oh, das vergnügte ihn jetzt schon. Sie so richtig schön auf die Palme zu bringen stellte sich als eine Menge Spaß heraus, mit dem er nicht gerechnet hatte. Und es war auch nicht einmal Teil seines Plans. Er fing ihren Blick ein und tigerte ihr entgegen. „Du hast versprochen, dass du mich mit Nahrung versorgen würdest.“

Ihr Herz schlug so laut, dass er es hören konnte. „Du hast mein Blut getrunken. Ganz viel davon. Du solltest satt sein.“

„Der Name meiner Gattung“, sagte er, als er einige Zentimeter vor ihr zum Stehen kam, „ist irreführend. Blut ist nur eines der drei Dinge, die Bluotezzer-Dämonen jede Nacht als Nahrung benötigen. Neben Blut absorbieren wir auch Schmerz…“ Er hob seine Hand und berührte ihre Wange. „…und Vergnügen.“ Er strich mit seinem Finger die Linie ihres Kiefers herunter, und sie zitterte. So weich, so zart. „Ich habe dein Blut getrunken. Ich habe mich an jemandes Schmerz genährt. Und nun brauche ich…Vergnügen.“ Bewusst langsam ließ er seinen Finger der grazilen Biegung ihres Halses folgen, bis er den Ausschnitt ihres Pullovers erreichte, wo er verharrte.

Merle schluckte und versuchte offenbar unbeeindruckt zu wirken. Die schöne Röte, die ihre Wangen färbte, erzählte eine ganz andere Geschichte. „Vergnügen? Sexuelles Vergnügen?“

„Hmm.“

„Du willst mit mir schlafen?“

Sein Hunger brandete in ihm auf, schnappte nach ihm von innen heraus. Er zügelte ihn. „Na klar. Du bist schön, faszinierend, und sexy, und ich würde nichts lieber tun, als mich in einem Zimmer mit dir zu verschließen und zwanzig Jahre unfreiwilliges Zölibat wiedergutzumachen. Allerdings—“ Er streichelte ihre mentalen Sinne mit seiner Macht, neckend, sanft. „— möchte ich dich lieber nicht überfordern, also wird es ausreichen, dass ich dich zum Orgasmus bringe.“

„Nein.“ Ihre Stimme war rauchig, und der verlockende Duft ihrer Erregung erfüllte die Luft, in krassem Widerspruch zu ihrer offenkundigen Zurückweisung.

„Nein?“, fragte er leise, und rieb mit seinem Finger über ihr Schlüsselbein.

„Nein“, wiederholte sie, auch wenn ihre Brustwarzen unter ihrem Pullover sichtlich härter wurden. „Das wirst du nicht von mir bekommen.“

„Ich muss Nahrung aufnehmen, damit ich in der Lage bin, dir zu helfen.“ Er musterte sie, jene strahlend blauen Augen, die verführerische Röte ihrer Wangen, ihre beschleunigte Atmung. Wenn sie tatsächlich nicht einwilligte, würde er sie nicht zwingen, und nicht nur, weil es schwierig war, sexuelles Vergnügen aus jemandem zu ziehen, der keinen Gefallen daran fand. Aber sie war durchaus interessiert, wenngleich hin- und hergerissen. Er beschloss, sie noch ein bisschen mehr anzustupsen. „Du hättest es also lieber, wenn ich es von jemand anderem nehme? Ich mag es so gern, Unschuldige zu korrumpieren.“

Es war nur zum Teil ein Ultimatum — das Meiste davon war die unverblümte Wahrheit. Er würde auf jeden Fall Vergnügen aus jemandem ziehen müssen, um im Vollbesitz seiner magischen Kräfte zu sein, und wenn sie nicht wollte, dann musste er sich von jemand anderem nähren. Aber obwohl ihm die ganze Stadt zur Verfügung stand, würde er lieber Vergnügen aus Merle ziehen. Es würde ihn näher an sein Ziel bringen seine Freiheit zu gewinnen, ja, aber davon abgesehen begehrte er sie einfach.

Sie trat einen Schritt zurück, vergrößerte den Abstand zwischen ihnen. „Warum findest du nicht einfach irgendeine nicht so unschuldige Frau, die du mit deinem Charme überschütten kannst? Eine mörderische Schlampe, zum Beispiel?“

Er musste sich das Lachen verkneifen. Sie hatte wirklich Feuer, und, verdammt, mochte er das. Er warf ihr einen ausreichend beleidigten Blick zu und sagte: „Ob du es glaubst oder nicht, ich habe gewisse Standards.“ Seinen Kopf schief legend schaute er an die Decke, als ob er sich an etwas erinnerte, und ein Lächeln machte sich langsam auf seinem Gesicht breit. „Ich denke, ich werde der knackigen Blondine hier um die Ecke einen Besuch abstatten. Sie hat ansprechend ausgesehen.“ Und damit wandte er sich zum Gehen.

Hinter ihm brach ein Feuersturm der Gefühle aus Merle hervor. Die Luft war so aufgeladen mit ihren Zauberkräften — welche lauter und lauter surrten, je mehr sie ihrer Kontrolle zu entgleiten schienen —, dass die Lampen im Zimmer flackerten. Seine Nackenhaare sträubten sich. Seine eigene Magie, so viel simpler und von instinktiverer Natur, türmte sich auf als Reaktion auf die Macht, die ihn streifte.

Er zügelte seine Kräfte fest und setzte seinen Weg aus dem Wohnzimmer fort.

Kurz bevor er die Tür im Foyer öffnen konnte, stieß Merle einen Seufzer aus, der mit genug widersprüchlichen Gefühlen beladen war, um einen Psychiater vor Aufregung ganz aus dem Häuschen zu bringen.

„Warte.“

 

***

 

Mit seiner Hand auf dem Türknauf sah Rhun sie an. Kleine Fältchen bildeten sich um seine Augen. „Ja?“

Merle biss die Zähne zusammen. Würde sie das wirklich durchziehen?

Auch wenn jedes weibliche Hormon in ihrem Körper brüllte: Ja, ja, ja, bespring ihn, du willst es doch, konnte sie das nagende Gefühl der Vorwarnung nicht ignorieren. Sie sollte ihn nicht noch näher an sich heran lassen. Der schmale Grat, auf dem sie sich bewegte, indem sie ihn gerade so an sich gebunden hielt, würde noch enger werden mit jedem Stück ihres Selbst, das sie ihm überließ. Wenn sie ihn unter Kontrolle halten wollte, musste sie verhindern, dass er noch mehr Macht über sie erlangte, und zuzulassen, dass er Vergnügen aus ihr zog, erforderte ein Maß an Vertrauen, dass ihm eine beträchtliche Menge an Macht über sie gab.

Aber allein der Gedanke daran, ihm zu erlauben, sich von jemand anderem zu nähren, löste fast schon einen Angstanfall aus. Was, wenn er durchdrehte? Wenn er mehr nahm als nur Vergnügen? Er oblag ihrer Verantwortung — sie hatte ihn aus den Schatten befreit, und es war ihre Pflicht dafür zu sorgen, dass er niemand Unschuldigen verletzte.

Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Ich lasse dich garantiert nicht auf die weibliche Bevölkerung los. Ich kann mich wenigstens gegen dich verteidigen.“ Als Hexe verfügte sie über ein paar Mittel, um ihn unter Kontrolle zu halten, und wenn er bei ihr ausrastete, würde sie wenigstens gegen ihn kämpfen können. Ihn einfach so zu einer menschlichen Frau gehen zu lassen käme hingegen dem gleich, einen Wolf in eine Schafherde zu senden.

Er kniff die Augen zusammen. „Was denkst du eigentlich, was für ein Monster ich bin?“

„Du bist ein Dämon.“

„Ah, und das bedeutet, ich bin ein vergewaltigendes Arschloch, ja?“ Sein Ton war mild, aber seine Hand griff den Türknauf so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten, und seine Aura flackerte dunkel, fast als ob…

Sie blinzelte, verblüfft. Hatte sie ihn gekränkt?

Rhun sah sie finster an, die scharf geschnittene Schönheit seiner Gesichtszüge noch deutlicher ausgeprägt durch seinen offenkundigen Ärger. Seine Lippen waren fest zusammengedrückt, und die Art, wie er dastand — mit erstarrter Würde, wie jemand, dem soeben ohne guten Grund eine Backpfeife verpasst worden war.

„Ähm.“ Na super, jetzt fühlte sie sich schlecht, weil sie das Schlimmste von ihm angenommen hatte. Aber wie hätte sie auch wissen sollen, dass er über ein Fünkchen Anstand verfügte? Sie räusperte sich und sagte: „Sorry. Es ist nur so… Nichts für Ungut, aber das Wenige, was ich über dich weiß, lässt dich nicht gerade in einem guten Licht erscheinen.“

Ein Anflug von etwas — Bedauern? — erschien in seinen Augen, aber es war so rasch wieder verschwunden, dass sie sich nicht sicher war, ob sie es wirklich gesehen hatte. Rhuns Aura wurde aber sanfter, und er lehnte sich an den Türrahmen und neigte den Kopf. „Nur so zur Information: All die Frauen, von denen ich mich genährt habe, waren allzu gerne dazu bereit, und ich habe jede einzelne von ihnen gesund und munter zurückgelassen.“ Er schaute nach oben und zögerte kurz, als ob er nachdachte. „Obwohl ein paar von ihnen vor Wonne in Ohnmacht gefallen waren.“

Als er sie wieder ansah, traf sie die Wucht seines erhitzten Blicks. Langsam, verlockend, rollten kribbelnd warme Wellen über ihre Haut, sensibilisierten ihre Nerven, bis ihre Kleidung zu schwer, zu kratzig wurde. Ein Puls von Hitze und Begierde ließ sich zwischen ihren Schenkeln nieder, köstlich abwegig. Wenn man davon ausging, wie ihr Körper auf ihn reagierte, war er ein wandelnder Liebeszauber — jede geschmeidige Bewegung ein Wispern dunkler Sinnlichkeit, die versprach, dass man vor Ekstase das Bewusstsein verlieren würde. Mit einem Mal zweifelte sie nicht länger an seiner letzten Aussage.

„Also, kleine Hexe“, sagte Rhun, und das Timbre seiner Stimme beschwor Bilder herauf von langsamer Verführung inmitten zerwühlter Laken, „wirst du mich nähren?“

Das letzte bisschen Zweifel ertrank in einer Woge von Verlangen, welches beinahe ihre Knie zum Schlackern brachte. Sie zertrampelte im Geiste auch noch den letzten Rest Besorgnis, und ergab sich einfach dem Teil von ihr, der das, was Rhun anbot, packen und sich daran sättigen wollte.

„Ja“, sagte sie, ihre Stimme rauchig. Es war nur Sex, nichts weiter, und die Götter wussten, wie lange es her war, dass jemand sie so richtig schön befriedigt hatte.

Ein schalkhaft böses Lächeln stahl sich auf seine Lippen und steigerte noch die zügellose Sinnlichkeit, die er in rohen Mengen ausstrahlte. Er war wie in Gefahr eingewickelter Sex, als er durch das Foyer schritt und auf sie zukam.

„Ich werde nicht mit dir schlafen“, sagte sie heiser, und hob ihren Kopf, um ihm ins Gesicht zu schauen, in jene Augen, die mit gelassener Raubtieraufmerksamkeit glühten. Sie hatten eine so bemerkenswerte Farbe, eine Mischung aus strahlendem Blau und Hellgrün, wie ein Waldsee im Sommer. „Du wirst einfach nur…du weißt schon…“

„Dich dazu bringen, dass du dich auf meinen Fingern reibst, bis du meinen Namen stöhnst?“

Himmel hilf mir.

Sie presste kurz die Lippen zusammen. „Meine Klamotten“, stieß sie hervor, während gewisse Stellen ihres Körpers wollüstig vor Vorfreude pulsierten, „werden angezogen bleiben.“

„Hmm, eine Herausforderung. Gefällt mir.“ Er hob seine Hand zu ihrem Nacken, zwirbelte seine Finger in ihren Haarsträhnen. „Wo möchtest du es tun?“

„Wo möchte ich—“ Sie schüttelte den Kopf, perplex, aus der Fassung gebracht, und mehr als ein bisschen abgelenkt von der Hand, die ihren Nacken massierte. „Was?“

„Du weißt schon“, sagte er achselzuckend. „Wo hättest du es am liebsten? Auf der Couch? Dem Tisch? Dem Teppich?“ Sein Blick schweifte zur Seite, und er hob die Augenbrauen. „Gegen die Wand gepresst?“

Alles davon? „Ähm.“ Sie räusperte sich, rang um Vernunft. „Ich — es ist egal.“

Seine Hand glitt von ihrem Nacken nach vorn, streifte die empfindliche Haut über ihrem rasenden Puls. „Keine Vorlieben?“

„Nein. Lass uns das einfach…hinter uns bringen.“

„Dann machen wir es auf meine Weise?“ Seine Stimme war ein Schnurren, das ihre Sinne liebkoste, sie an heißen, intimen Stellen streichelte.

„Sicher“, krächzte sie. „Von mir aus.“

„Also dann.“ Seine Hand hielt inne. Die Luft zwischen ihnen schimmerte. „Renn weg.

Ihr Herzschlag setzte kurz aus. „Was? Wieso?“

„Weil ich“, raunte er und beugte sich näher zu ihr, während dunkle Macht von ihm ausströmte, „eine gute Verfolgungsjagd mag.“

Sie starrte ihn nur für eine Sekunde an.

Dann rannte sie.


Textauszug mit freundlicher Genehmigung der Autorin

© Nadine Mutas