Kurz nachgehakt bei Sven Gerhardt zu seiner neuen Kinderbuchserie „Die Heuhaufen-Halunken“

In unserer Rubrik „Kurz nachgehakt“ stellen wir Autoren jeweils drei Fragen zu einem Thema, das für sie gerade aktuell ist. Heute spricht Sven Gerhardt über seine neue Kinderbuchserie Die Heuhaufen-Halunken.

Die Heuhaufen-Halunken von Sven Gerhardt

Sie waren als Kind keine große Leseratte. Jetzt schreiben Sie Bücher für Kinder. Wie haben Sie Bücher schließlich doch lieben gelernt? Was braucht ein gutes Kinderbuch, um den Kleinen Lust aufs Lesen zu machen? Und ist es Ihnen bei Ihren eigenen Kindern auch gelungen, Sie für Bücher zu begeistern?
Ich habe als Kind zwar nicht viel und auch nicht gerne gelesen, aber ich habe begeistert gezeichnet. Meinen Zugang zu Büchern habe ich daher eher über die Illustrationen gefunden. Meine Favoriten waren die Wimmelbücher von Ali Mitgutsch. Die kommen zwar gänzlich ohne Text aus, enthalten aber unzählige kleine Geschichten, und das fand und finde ich faszinierend. Als ich dann schon erwachsen war, kam irgendwann der Wunsch auf, mal ein Buch zu illustrieren, doch dazu brauchte ich erst mal einen Text. Also habe ich mit dem Schreiben angefangen und die Geschichte anschließend selbst bebildert. Heraus kam mein erstes Buch („Nach dem Regen scheint die Sonne“). Mit der Zeit habe ich dann festgestellt, dass mir das Schreiben noch mehr Spaß macht und mir eine noch größere kreative Welt eröffnet, als das Illustrieren. Und seitdem bin ich dabei geblieben. Lesen tue ich mittlerweile natürlich auch sehr gerne. Vor allem lesen wir in der Familie sehr oft zusammen. Durch das allabendliche Vorlesen und die vielen guten Bücher, die wir mittlerweile zu Hause haben, ist der Funke dann auch auf meine Kinder übergesprungen. Meine älteste Tochter ist eine richtige Leseratte und schreibt selbst erstaunlich gute Geschichten! Unser Mittlerer liebt Comics und hat kürzlich auch angefangen, eine eigene Geschichte zu schreiben. Und unser Jüngster liebt natürlich Bilderbücher!
Die Frage, was ein gutes Kinderbuch ausmacht, ist meiner Meinung nach nicht so einfach zu beantworten. Es sind ganz unterschiedliche Aspekte, die Lust aufs Lesen machen können. Ich persönlich mag Bücher, die alle Register ziehen: Eine tolle, begeisternde Geschichte (gerne auch mit einer großen Portion Humor), liebevolle und detailverliebte Illustrationen, eine durchdachte und hochwertige Typografie und eine gute Ausstattung (Papier, Druckveredelung, Einband, etc.). Es muss auf jeden Fall irgendwie ein Funke überspringen – und dieser Funke kann auf unterschiedlichste Art entfacht werden. Genauso unterschiedlich wie die Kinder eben sind, die die Bücher in die Hand nehmen und lesen.

Ihre neue Serie handelt von einer richtigen Rasselbande. Hatten Sie es als Junge auch so faustdick hinter den Ohren wie Ihre „Heuhaufen-Halunken“? Was war Ihr größtes Ferienabenteuer mit Ihren Freunden?
Ich glaube, ich war als Kind eher von der Sorte „pflegeleicht“ – so faustdick wie die Heuhaufen-Halunken hatte ich es wirklich nicht hinter den Ohren. Aber ich habe mit meinen Freunden natürlich trotzdem das ein oder andere Abenteuer erlebt. Einen Steinwurf von unserem Haus entfernt gab es einen Schrottplatz mit alten Autos – das war natürlich ein faszinierender „Spielplatz“. Vermutlich habe ich auch deshalb einen Oldtimer als Quartier der Heuhaufen-Halunken ausgewählt. Die Sommerferien verbrachte ich meistens mit meinen Freunden auf dem Fahrrad, im Wald oder einfach in unserem Viertel. Es waren eher die kleinen Abenteuer, die wir erlebt haben – aber gerade die machen die Kindheit ja zu etwas Besonderem.

Ihre neue Kinderbuchserie richtet sich sowohl an Mädchen als auch an Jungen. Muss man als Autor da etwas Besonderes beachten? Und war Ihnen von Anfang an klar, dass ein Mädchen die Anführerin der „Heuhaufen-Halunken“ sein würde?
Ehrlich gesagt, habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Plötzlich war Meggy als Anführerin der Halunken da und das passte einfach perfekt. Und der Rest der Bande hat sich dann auch einfach dazugesellt. Meggy eben hat von all den Kindern in der Geschichte das größte Selbstbewusstsein. Dass sie ein Mädchen ist, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Ich hatte auch bei dieser Geschichte nicht das Gefühl, dass ich als Autor dabei etwas Besonderes beachten musste. Es gibt doch weder das typische Mädchen, noch den typischen Jungen. Für mich kommt es darauf an, dass sich die Kinder mit den Figuren im Buch identifizieren können – und ich glaube, dass jeder der Heuhaufen-Halunken ganz gut dazu geeignet ist.


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