Kurz nachgehakt bei Robyn Carr zu ihrer Ehrung mit dem Nora Roberts Lifetime Achievement Award

In unserer Rubrik „Kurz nachgehakt“ stellen wir Autoren jeweils drei Fragen zu einem Thema, das für sie gerade aktuell ist. Heute spricht Robyn Carr darüber, wie es ist, von der amerikanischen Liebesromanautorenorganisation Romance Writers of America (RWA) mit dem Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet zu werden.

Carr, Robyn - klein - Michael AlberstatAm Samstag bekommen Sie auf der diesjährigen RWA-Konferenz, die gerade in San Diego stattfindet, den Nora Roberts Lifetime Achievement Award überreicht. Wie haben Sie davon erfahren und wie fühlt es sich an, so von den eigenen Kollegen geehrt zu werden?
Die Präsidentin der RWA rief mich im Frühjahr an und teilte mir mit, dass ich für diesen besonderen Preis ausgewählt worden war. Einen Moment lang konnte ich kaum atmen. Das ist die höchste Auszeichnung in unserem Genre, die nur wenige Leute erhalten. Ich weiß nicht, wann ich jemals so stolz war. Oder so aufgeregt, zu einer Konferenz zu gehen.

Sie sind schon seit fast vierzig Jahren in diesem Geschäft. Ihr erster Roman wurde 1978 in den USA veröffentlicht. Haben Sie sich damals, Mitte der 1970er Jahre, als Sie ihren Beruf als Krankenschwester aufgaben, die Frau eines Air-Force-Piloten wurden und zwei Kinder bekamen, vorstellen können, einmal so eine lange Karriere als Liebesromanautorin vor sich zu haben?
Es ist komisch, denn als ich mit dem Schreiben begann, malte ich mir in meiner Fantasie aus, wie ich ganz schnell reich und berühmt werde – was dann nicht passierte. Dreißig Jahre später, nachdem ich so lange Teil der Branche war, so viele Autorenkolleginnen an mir vorbeiziehen und regelmäßig die New-York-Times-Bestsellerliste erklimmen sah und auch vielen begegnete, die nicht diese Aufmerksamkeit erhielten, war es wie ein Schock, schließlich selbst einen Bestseller zu landen. Eigentlich hatte ich gerade meinen Frieden damit geschlossen, dass nur wenige es schaffen, einen der begehrten Plätze auf der Liste zu erhalten. Den meisten Autoren, viele davon hervorragend, gelingt es nie, diese mystische Verbindung zu Lesern aufzubauen, die nötig ist, dass alle über deine Bücher sprechen und sie auch kaufen. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass es ganz egal ist, wie viel PR und Werbung man macht, sondern dass es am Ende darauf ankommt, dass Leser mit anderen Lesern sprechen und ihnen deine Bücher ans Herz legen. Es ist diese besondere Chemie zwischen Büchern und Lesern, die dafür sorgt, dass es funktioniert.

RWA 2016 - 94 - Banner zur Ehrung von Robyn Carr mit dem Nora Roberts Lifetime Achievement AwardWelchen Rat würden Sie angehenden Autoren, die Ihnen gerne nacheifern möchten, mit auf den Weg geben?
Da hätte ich zwei. Erstens: Konzentriert euch auf das Schreiben und die Geschichte, die ihr erzählen wollt, nicht auf ein Zaubermittel, das daraus einen Bestseller macht. Arbeitet an eurem Stil, der Qualität eurer Arbeit, nicht an den effektivsten Marketingmethoden. Marketing ist wichtig, wenn die Zeit gekommen ist, aber es wird nie wichtiger sein als die Geschichte. Wer dem Marketing zu viel Gewicht beimisst und darüber die Qualität des Schreibens vernachlässigt, ist wie jemand, der sein ganzes Erwachsenenleben lang nur Lotto spielt, anstatt eine Ausbildung zu machen und einem verlässlichen Beruf nachzugehen und Karriere zu machen.
Und die zweite Sache, etwas, das ich wünschte, selbst gewusst zu haben, als ich mit dem Schreiben anfing, ist, dass niemand die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Vertraut zu allererst eurem Bauchgefühl – oder eurem Herzen. Wenn ein Verlag gerade noch euren Roman abgelehnt hat, weil er im amerikanischen Bürgerkrieg spielt, kann genau diese Art von Büchern demnächst der neue Topseller sein. Wenn man euch sagt, dass Kleinstadtromanzen passé sind, können sie kurz darauf schon wieder angesagt sein, und wenn ihr überall hört, dass sie der neue Trend sind, befinden sie sich bald schon wieder auf dem absteigenden Ast. Zu versuchen, einen Trend einzufangen oder auf jeden Rat hören zu wollen und nur das zu schreiben, was sich vermeintlich gut verkauft, ist der falsche Weg.


Nachtrag der Redaktion am 28.7.2016: Inzwischen hat die RWA den Mitschnitt der Preisverleihung veröffentlicht.


www.robyncarr.com


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