Kurz nachgehakt bei Rebecca Michéle zum „Tatort – Ein Fuß kommt selten allein“

In unserer Rubrik „Kurz nachgehakt“ stellen wir Autoren jeweils drei Fragen zu einem Thema, das für sie gerade aktuell ist. Heute erzählt uns Rebecca Michéle etwas zu ihrer Beteiligung am neuen „Tatort“ aus Münster. Ein Fuß kommt selten allein mit dem Team Thiel/Boerne wird am kommenden Sonntag, 8. Mai 2016, wie immer um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

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Sie sind seit Jahren nicht nur erfolgreiche Autorin, sondern betreiben auch aktiv Tanzsport. Die beiden Leidenschaften haben Sie bereits vereint, etwa in ihrem Krimi Damenwahl oder ihrem Liebesroman Rhythmus der Leidenschaft. Jetzt gibt es ein neues, spannendes Projekt. Sie haben die Idee zu einem ARD-„Tatort“ geliefert. Wie kam es dazu?
Cover - Michéle, Rebecca - Damenwahl - SilberburgBeim Ansehen einer neuen Folge dieser Reihe im Februar 2014 kam mir die Idee von einem Moment zum anderen. Lebhaft konnte ich mir Professor Boerne, der ja immer und überall eine gute Figur macht, auf dem Tanzparkett vorstellen, während Kommissar Thiel mit dieser Welt aus glitzernden Kleidern, Schminke usw. nicht viel anfangen kann. Da es bis dato im deutschen Fernsehen keinen Krimi, der sich intensiv mit den realen Hintergründen im Tanzsport auf Turnierniveau beschäftigt, gegeben hat, dachte ich: Das muss geändert werden!
Ich trat an die Drehbuchautoren Jan Hinter und Stefan Cantz, die „Erfinder“ von Tatort Münster mit dieser Idee heran. Tatsächlich hatte das symphytische Duo auch schon darüber nachgedacht, ob sie das Tanzen einbauen sollen, bisher fehlte ihnen aber der richtige Bezug zum Turniersport. In den kommen Monaten mailten und telefonierten wir sehr viel miteinander und trafen uns auch persönlich. Hinter/Cantz entwickelten dann aus meiner kleinen Idee ein grandioses Drehbuch mit einer Handlung, die punktgenau auf die Charaktere der Figuren zugeschnitten ist. Von mir stammen also nur der Anstoß und ein paar Grundinformationen, dass es nun einen Tatort vor diesem Hintergrund gibt.

Warum war es ausgerechnet für den Tatort aus Münster? Was mögen Sie an Thiel und Boerne so gerne?
Seit dem ersten Tatort aus Münster bin ich ein Fan dieses Teams, weil ich persönlich eher humorvolle als blutrünstige und düsterte Krimis mag. In der Richtung schreibe ich ja auch selbst. Dazu kommt, dass Jan Josef Liefers seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsdarstellern im deutschsprachigen Raum gehört.
Ich liebe die verbalen Schlagabtausche zwischen allen Darstellern und Boernes „überhebliches“ Getue, wobei er aber doch immer sehr sympathisch ist und auch Rückschläge hinnehmen muss. Frau Staatsanwalt Klemm mag ich wegen ihrer – vergeblichen – Versuche, sich das Rauchen abzugewöhnen, „Vaddern“ ist eine sehr urige und authentische Figur und die Rolle von „Alberich“ Silke Haller finde ich einfach genial.
Meiner Ansicht nach werden alle Figuren von hervorragenden Schauspielern dargestellt, die ihre Rollen nicht nur spielen, sondern leben.

Cover - Michéle, Rebecca - Rhythmus der Leidenschaft - dotbooksWie weit waren Sie eingebunden? Und wie war es, eine Statistenrolle übernehmen und die Arbeit am Set miterleben zu dürfen?
Da ich selbst keine Drehbücher schreibe, schlug ich den Autoren die Grundidee vor. Während des Schreibprozesses des Drehbuchs und dann bei den Vorbereitungen der Dreharbeiten war ich im Bereich von Fachfragen bezüglich des Tanzens eingebunden, zum Beispiel wenn es um tanzspezifische Ausdrücke ging, wie ein typisches Training abläuft und wie es beim Turniergeschehen aussieht und so weiter.
Da ich bereits über Erfahrung als Komparsin verfügte – früher habe ich regelmäßig Statistenrollen übernommen, hauptsächlich für Produktionen des SWR-Fernsehens –, war diese Welt mir nicht fremd. An den Drehtagen, an denen ich dabei war, waren ca. 200 Komparsen vor Ort. Bis ins kleinste Detail war alles perfekt organisiert, so wurde auch für das leibliche Wohl der vielen Menschen bestens gesorgt. Die Dreharbeiten folgten exakt dem Drehplan, jeder war äußerst diszipliniert und wusste genau, wo und wann er seinen Einsatz hatte. Der Regisseur Thomas Jauch war zwar streng, dabei aber immer freundlich, und man merkte, dass hier absolute Profis am Werk sind.
Gedreht wurde jeweils von ca. 9 Uhr morgens bis in die Abendstunden, Pausen gab es nur während der Umbauarbeiten, und je eine etwas längere Mittagspause. Trotzdem blieb auch Zeit für Scherze, besonders Axel Prahl (alias Kommissar Thiel) hatte stets einige humorvolle Sprüche auf Lager, so dass auch viel gelacht wurde.
Wir Komparsen hatten während der Dreharbeiten keinen Kontakt zu den Schauspielern, es war verboten, diese anzusprechen – verständlicherweise! -, an den Abenden jedoch standen sie für Fotos, Autogramme und auch die eine oder andere Frage zur Verfügung.
Alle waren ein eingespieltes Team, und ich gewann den Eindruck, dass sich die Hauptakteure auch außerhalb ihrer Arbeit bestens verstehen.


Foto © ARD

Cover 1 © Silberburg

Cover 2 © dotbooks

www.rebecca-michele.de

Kurzbericht im ARD-Morgenmagazin