Kurz nachgehakt bei Margarete von Schwarzkopf zu ihren Anna-Bentorp-Krimis

In unserer Rubrik „Kurz nachgehakt“ stellen wir Menschen aus der Buchbranche jeweils drei Fragen zu einem Thema, das für sie gerade aktuell ist. Heute sprechen wir mit Margarete von Schwarzkopf über ihre Liebe zu Büchern im Allgemeinen und ihre Krimis mit der Amateurermittlerin wider Willen Anna Bentorp, mit denen sie derzeit auf ausgedehnter Lesereise durch Deutschland ist.

Cover - Schwarzkopf, Margarete von - Schattenhöhle - EmonsSie sind seit vielen Jahren in der Welt der Literatur unterwegs, ob als Journalistin, Kritikerin, Mitglied diverser Jurys oder Moderatorin bei Lesungen und anderen Events. Woher kommt Ihre Leidenschaft für Bücher? Gab es ein Buch, einen Autor oder ein Genre als Auslöser? Und welche Bedeutung haben Bücher in Ihrem Leben?
Schon sehr früh habe ich meine Begeisterung für Geschichten entdeckt. Es war vor allem meine Großmutter, die einen unendlichen Schatz an Märchen, Sagen und Literatur besaß und mir stundenlang Geschichten erzählte. Sie war als jüngere Frau Schauspielerin und konnte deshalb diese Erzählungen mit der gebotenen Dramatik vortragen und zwischendurch auch mal die Lady MacBeth geben. Das Buch aber, das mich als knapp achtjähriges Mädchen endgültig zum Selberlesen brachte, war Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel, noch heute eines meiner Lieblingsbücher. Diese Mischung aus Abenteuerroman und der Beziehung eines vaterlosen Jungen zu einem raubeinigen, aber trotz aller Boshaftigkeit nicht wirklich abgrundtief bösen Menschen – Long John Silver – hat mich beeindruckt. Nach wie vor lese ich mit Begeisterung und reise stets mit vielen Büchern – nicht als E-Books! – und kann beim Lesen herrlich abschalten.

Mit Der Moormann ist im Herbst 2017 Ihr erster Krimi mit Anna Bentorp erschienen, die ihren detektivischen Spürsinn plötzlich nicht nur bei der Begutachtung und Katalogisierung alter Landkarten einsetzen muss. Wie ist die Romanfigur, die nicht nur tief in die Geschichte, sondern auch in einen Kriminalfall eintaucht, entstanden? Und war von Anfang an geplant, aus der Kunsthistorikerin eine Serienheldin zu machen?
Anna Bentorp war plötzlich da. Ich brauchte eine Frauenfigur, die einen interessanten Beruf hat, die Humor besitzt und sich nicht allzu ernst nimmt, aber zugleich neugierig ist und Spaß an ihrer Arbeit hat. Da ich selbst Kunst liebe, eigentlich aber Geschichte und englische Literatur studiert habe, war es schön, dass Anna sich für Kunst stark macht und auch für Relikte älterer Kulturen. Da machte die Recherche viel Spaß.
Dass Anna nun inzwischen in zwei Büchern auftaucht, war nur angedacht, nicht fest geplant. Und wenn alles gut geht, dann wird sie noch in einem dritten Roman dabei sein, da viele Fragen offengeblieben sind. Auch zu ihrem Privatleben!

Lesung im Rahmen des Krimifestivals Mord am Hellweg im September 2018 in der Dechenhöhle - Copyright: Emons
Lesung im Rahmen des Krimifestivals Mord am Hellweg im September 2018 in der Dechenhöhle – Copyright: Emons

Vom neblig-düsteren Moor verschlägt es die Protagonistin im zweiten Band in eine nicht minder unheimliche Höhle. Wie wichtig sind die Schauplätze für Ihre Geschichten? Was fasziniert Sie selbst an diesen schaurig-schönen Orten? Und muss sich Anna ganz allein in die Schattenhöhle vorwagen oder bekommt sie ein bisschen Schützenhilfe von anderen Charakteren aus dem ersten Buch?
Seit meiner Kindheit liebe ich schaurige Orte: Moore, Höhlen, alte Häuser. Da ich ein großer Kinofan bin, sind meine Schauplätze auch von Filmen beeinflusst. Die große P.D. James hat einmal gesagt, dass Schauplätze die wichtigste Grundlage für einen Roman seien. Wörtlich sagte sie: „Give me place and I’ll write you a novel”. Schauplätze sind die Bühne für Handlungen und auch für die Emotionen.
Anna wird von ihrer Neugierde in die Höhle getrieben, gerät dabei auch in Gefahr, aber glücklicherweise gibt es einen freundlichen Kommissar, der ihr zur Seite steht, einen Verehrer, der sie nicht im Stich lässt, und vor allem einen wunderbaren irischen Wolfshund, dessen lebendiges Vorbild ich auf meiner ersten großen Irlandreise getroffen habe und dem ich als junge Journalistin schon einen Essay mit dem Titel „Der Geisterhund“ gewidmet habe.


Margarete von Schwarzkopf bei Emons

Cover & Foto © Emons