Kurz nachgehakt bei Hörbuchsprecherin Nana Spier zu ihrem neuen Projekt „Julie Jewels“

In unserer Rubrik „Kurz nachgehakt“ stellen wir Menschen aus der Buchbranche jeweils drei Fragen zu einem Thema, das für sie gerade aktuell ist. Heute erzählt Nana Spier, die als Tochter einer Schauspielerin zunächst in deren Fußstapfen trat, wie sie als Synchron- und Hörbuchsprecherin entdeckt wurde und was sie an ihrem neuen Projekt Julie Jewels – Perlenschein & Wahrheitszauber nach dem Roman von Marion Meister verzaubert hat.

Cover - Meister, Marion - Julie Jewels 1 - Perlenschein & Wahrheitszauber - HörbuchSie sind eine der bekanntesten Hörbuch- und Synchronsprecherinnen Deutschlands. Sind Sie damit in gewisser Weise einer Familientradition gefolgt oder eher in den Beruf hineingeschlittert? Und können Sie sich noch an Ihre erste Sprecherrolle erinnern?
Ich bin zum Synchron tatsächlich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, ein Regisseur hatte mich im Theater in meiner ersten großen Rolle gesehen und musste sehr über mich lachen. Da er gerade dabei war, eine neue Sitcom aus den USA zu besetzen, lud er mich zu einem Casting ein. Meine Stimme gefiel dem Sender, ich bekam die Rolle und durfte – ohne eine Ahnung zu haben, wie das alles geht – eine große Rolle in der Serie sprechen. Für die Synchronfirma ein finanzieller Albtraum, weil ich so viel länger brauchte als alle anderen, aber für mich der Hammer. Meine Mama wollte nicht, dass ich als Kind synchron mache, sie wollte, dass ich eine freie Kindheit habe ohne Arbeit.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor? Was sind die größten Unterschiede bei der Arbeit als Synchron- und als Hörbuchsprecherin? Gibt es eine Rolle, die einen besonderen Platz in Ihrem Herzen hat?
Eine Vorbereitung wie „Text lernen“ oder „eine Rolle erarbeiten“ gibt es in der Synchronbranche nicht. Manchmal weiß ich nicht mal, was ich bei meinem nächsten Termin für eine Rolle spreche, das kann alles sein, nett, dumm, böse, niedlich … Wichtig ist, ausgeschlafen zu sein, und die Stimme muss sitzen. Ich spreche mich morgens immer ein, gerade wenn eine stimmlich anspruchsvolle Rolle ansteht.
Beim Hörbuch wiederum ist es wichtig, den Text durchzuarbeiten, zu wissen wer, wie mit wem in Beziehung steht. Die Stimmfarbe meiner Charaktere im Buch finde ich aber dann tatsächlich spontan … da mache ich mir vorher keine Gedanken.
Meine aller-, aller-, allllllllllerschönste Rolle, die ich je sprechen durfte, war „Freude“ in dem Animationsfilm „Alles steht Kopf!“

Nana Spier, Foto © Binh Troung
Nana Spier, Foto © Binh Troung

Was hat Ihnen an „Julie Jewels – Perlenschein & Wahrheitszauber“, ihrem neuesten Hörbuchprojekt, besonders gefallen? Haben Sie eine Lieblingsszene?
Die Vorstellung, dass Schmuck eine Situation „verzaubern“ kann, fand ich sehr lustig. Besonders das Gartenfest, das so aus dem Ruder läuft, fand ich toll. So ein Partyanheiz-Armband hätte ich gerne manchmal, wenn im rauen Berlin die Menschen auf der Straße schlecht drauf sind.


www.der-audio-verlag.de
Die Buchserie Julie Jewels von Marion Meister
Kurzbiographie von Nana Spier auf Wikipedia

Foto © Binh Troung