Kurz nachgehakt bei Angelika Schwarzhuber zum Filmstart von „Eine unerhörte Frau“

In unserer Rubrik „Kurz nachgehakt“ stellen wir Autoren jeweils drei Fragen zu einem Thema, das für sie gerade aktuell ist. Heute spricht Angelika Schwarzhuber über den Kinostart des Films Eine unerhörte Frau, zu dem sie am Drehbuch mitgeschrieben hat.

eine-unerhoerte-frau-plakat-wild-bunch-germanyLesern sind Sie seit Ihrem Debütroman Liebesschmarrn und Erdbeerblues aus dem Jahr 2012 ein Begriff. Was einige nicht wissen, ist, dass Sie zuvor auch schon als Drehbuchautorin erfolgreich waren. Ihr jüngstes Filmprojekt „Eine unerhörte Frau“ ist gerade in den deutschen Kinos angelaufen. Was sind die größten Unterschiede beim Schreiben von Romanen und Drehbüchern?
Während man im Roman einen schier unerschöpflichen Spielraum hat, aus der Perspektive der Figur heraus auch Gedanken und Gefühle zu vermitteln, beschränkt sich ein Drehbuch auf knappe Anweisungen und Dialoge. Man muss für all das, was im Inneren einer Figur stattfindet, Bilder finden. Ins Drehbuch schreibt man nur, was man auf der Leinwand oder im TV auch sehen und hören kann. Und das alles in einer sehr konzentrierten Form, auch um das eingeschränkte Format – meist sind es bei einem Spielfilm ja 90 Minuten – einzuhalten. Wenn ich intensiv an einem Drehbuch gearbeitet habe und es mit der Romanarbeit weitergeht, braucht es manchmal ein bis zwei Tage, bis ich wieder in den ausführlichen Erzählfluss komme. Aber es macht sehr viel Spaß, dass ich mich in beiden Formaten bewegen darf.

Romanautoren stehen allein im Rampenlicht, obwohl in der Regel auch eine ganze Reihe von Leuten an einem Buch mitarbeitet – von Lektoren bis hin zu den Cover-Designern. Drehbuchautoren müssen sich meist mit der zweiten Reihe begnügen, denn bei Filmen sind die Schauspieler die Stars und in manchen Fällen noch die Regisseure. Fühlt man sich da manchmal nicht genug gewürdigt?
Filmarbeit ist in einem besonderen Maße Teamarbeit. Das muss man sich als Drehbuchautor von Anfang an bewusst machen. Und natürlich stehen die Schauspieler und Regisseure im Mittelpunkt. Für ein gelungenes Drehbuch findet die Anerkennung eher in Fachkreisen statt. Doch gerade bei „Eine unerhörte Frau“ sind wir ein phantastisches Team. Das zeigt sich jetzt auch bei der aktuellen Kinotour. Es ist eine große Freude und macht viel Spaß, mit so besonderen Leuten zu arbeiten und unterwegs zu sein. Da fühle ich mich auch gar nicht wie in der zweiten Reihe.

Normalerweise erfinden Sie Ihre Stoffe. In diesem Fall basiert der Film jedoch auf einer wahren Geschichte. Verspürt man da eine besondere Verantwortung? Wovon handelt „Eine unerhörte Frau“? Und wie waren die ersten Reaktionen des Publikums?
Es ist die Geschichte einer einfachen Bäuerin, die mit bewundernswerter Kraft um die Gesundheit und am Ende um das Leben ihrer kleinen Tochter kämpft. Weder Ärzte noch die Familie nehmen es ernst, dass es dem Kind immer schlechter geht. Doch die Mutter glaubt ihrer Tochter und gibt nicht auf. Der Film basiert auf den Schilderungen von Angelika Nachtmann, die darüber inzwischen auch ein Buch herausgebracht hat mit dem Titel Nicht gehört – fast zerstört. Für uns Autoren – ich habe das Drehbuch zusammen mit meinem wundervollen Kollegen Christian Lex geschrieben – war es eine große Herausforderung einerseits der originalen, sehr komplexen Geschichte und dieser bewundernswerten Frau gerecht zu werden, andererseits den Stoff in einen dramaturgischen Rahmen für einen Spielfilm zu bringen. Das gelang uns, indem wir die Geschichte in drei ineinander verwobenen Zeitebenen entwickelten. Von den ersten Gesprächen mit dem Produzenten Nils Dünker, der uns diesen Stoff anvertraut hat, bis hin zu den Dreharbeiten vergingen letztlich fast sieben Jahre.
Zum ersten Mal lief der Film beim Filmfest in München und die Reaktionen der Zuschauer waren überwältigend. Am Ende gab es für das Filmteam und für Angelika Nachtmann minutenlangen Applaus. Das war Gänsehaut pur.


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