Im Gespräch mit Sandra Henke über „Herzchenkonfetti“ und andere Herzensangelegenheiten

Henke, Sandra - Kuscheln mit Senta - Ricarda Ohligschläger

In über zehn Jahren als Autorin hat Sandra Henke schon einige Hochs, aber auch ein paar Tiefs erlebt. Doch weder trauert sie guten, alten Zeit nach, noch hat sie in schlechten das Handtuch geworfen. Stattdessen hat sie sich stets die Leidenschaft fürs Schreiben bewahrt und ist immer mutig neue Wege gegangen. In diesem Jahr ist sie etwa das Wagnis Selfpublishing eingegangen und hat mit ihrer „Herzchenkonfetti“-Serie wieder einmal den Nerv ihrer Leser getroffen. Wir sprachen mit ihr anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Romans Nacktbaden mit dem Teufel über ihr Autorenleben – gestern und heute.

Mit den Büchern über die Condannato-Vampire wurden Sie 2005 einem größeren Publikum bekannt. Geschrieben haben Sie aber schon vorher. Wie war Ihr Werdegang als Autorin?
Vorher habe ich an Kurzgeschichtenwettbewerben teilgenommen und in Kleinverlagen und Zeitschriften veröffentlicht. Mir ging es nie darum, hauptberuflich zu schreiben, sondern ich tat das aus reiner Freude. Aus dieser wurde irgendwann Leidenschaft.

Wollten Sie schon als Kind Schriftstellerin werden?
Nein, gar nicht, aber schon als Kind schrieb ich Gedichte und als Jugendliche Kurzgeschichten. In meiner Gymnasiumklasse gab es ein Mädchen, das Kinderbücher schreiben wollte. Wer hätte gedacht, dass ich das viele Jahre später selbst machen würde?

Sie sind Jahrgang 1973. Welche Bücher, Filme, Serien, Musik haben Sie geprägt?
„Zorro“ fällt mir spontan ein. Nicht umsonst schreibe ich viele erotische Romane, in denen maskierte Männer vorkommen. In Die Unterweisung, welcher im Dezember im Heyne Verlag erscheinen wird, ist es jedoch eine Frau, die eine Maske trägt, um erste BDSM-Erfahrungen zu machen und den Mann, der ein Meister der Unterwerfung ist und den sie heimlich liebt, zu treffen.

Kinderbücher, Fürstenromane, erotische Liebesromane, übersinnliche Liebesromane, Krimis, zeitgenössische Liebesromane – Ihre Bandbreite ist sehr groß. Gibt es ein Genre, das Sie bisher noch nicht ausprobiert haben, das Sie aber schon länger reizt?
Vielleicht schreibe ich ja eines Tages mal einen oder mehrere Steampunk-Romane. Es schlummern drei Exposés in meiner virtuellen Schublade, die mich reizen würden, aber nicht im Moment, denn ich bin mehr als glücklich mit meiner „Herzchenkonfetti“-Reihe.

Was schätzen Sie an der Vielfalt?
Die Genres stellen zum einen meine Entwicklung als Autorin dar, zum anderen sind die meisten meiner Romane Liebesgeschichten. Sogar in meiner Zucker-Krimireihe, die ich unter dem Pseudonym Laura Wulff geschrieben habe, gibt es ein Ehepaar, das ermittelt und dessen Beziehung stets ein Thema ist, ohne kitschig zu sein.

Lesen Sie auch so breit gefächert wie Sie schreiben? Haben Sie Wohlfühlbücher oder Autoren, zu denen Sie immer wieder zurückkehren?
Viele Jahre habe ich meistens Krimis gelesen, aber inzwischen greife ich in dem Genre nur noch zu meinen Stammautoren, weil die Grausamkeit in der realen Welt gefühlt zugenommen hat. Tatsächlich lese ich die unterschiedlichsten Genres und greife immer wieder gerne zu einem Wohlfühlroman von Kristina Günak.

Zunächst waren Sie „nebenbei“ als Autorin tätig. Wann haben Sie beschlossen, den Schritt zu wagen, das Schreiben zu Ihrem Beruf zu machen? Wer hat Sie dabei unterstützt? Und haben Sie es je bereut oder an Ihrer Entscheidung gezweifelt?
Man darf nicht auf Unterstützung warten, sondern muss seinen eigenen Weg gehen, daher habe ich diese Entscheidung allein getroffen und umgesetzt. Ich habe innere Kämpfe mit mir durchgerungen, weil ich so erzogen wurde, dass Sicherheit weit oben auf der Prioritätenliste steht. Aber manchmal muss man seinem Herzen folgen. Damals machte es mich regelrecht krank, mich nicht hundertprozentig meiner Leidenschaft widmen zu können. Außerdem arbeitete ich noch halbtags und pflegte meinen dementen und bettlägerigen Großvater. Die dreifache Belastung hätte ich nicht mehr lange durchgehalten. Eine der drei Aufgaben musste ich aufgeben, und mir vorzustellen, es könnte das Schreiben oder mein Opa sein, war für mich unvorstellbar.

Sie haben schon mit vielen renommierten Verlagen zusammengearbeitet, von Kleinverlagen wie Plaisir d’Amour, über reine E-Book-Verlage wie dotbooks bis hin zu Platzhirschen wie Heyne. Arbeitet man da als Autor auch anders?
In all diesen Verlagen arbeiten Profis, sodass auch die Zusammenarbeit ähnlich ist.

Cover - Henke, Sandra - Verliebt in den MondInzwischen haben Sie sich zu einer sogenannten Hybrid-Autorin gewandelt, was bedeutet, dass sie sowohl weiterhin für Verlage schreiben, aber gleichzeitig auch Bücher als Selfpublisher selbst herausbringen. Wie kam es dazu?
Im vergangenen Dezember hatte ich einen Burnout-Rückfall, der mich überraschte. Mein Körper zeigte mir, dass ich den falschen Weg eingeschlagen hatte und mich neu orientieren musste. Es war Zeit, die maximale Freiheit, für die Selfpublishing steht, auszuprobieren. Ein Wagnis, aber es würde hoffentlich besser für meine Gesundheit sein.

Selfpublisher, Indie-Autor, in Eigenregie veröffentlichen – alles Begriffe für ein und dieselbe Sache, die aber unterschiedliche Nuancen unterstreichen. Man ist als Autor unabhängig, hat alles selbst in der Hand, muss aber auch alles selbst machen oder selbst in Auftrag geben. Welcher Begriff steht Ihnen am nächsten? Was gefällt Ihnen beim Selbstveröffentlichen am besten und was bereitet Ihnen das größte Kopfzerbrechen?
Es wird immer betont, dass man als Selfpublisher nach seinem eigenen Tempo arbeiten kann, was stimmt, wenn man ein Hobbyautor ist, aber ein Trugschluss ist, wenn man vom Schreiben lebt. Wenn man Geld verdienen möchte, muss man viel schreiben und schnell hintereinander veröffentlichen. Auch wenn man Covergestaltung und Lektorat Profis überlässt, wie ich das tue, führt das schnell zu einem hohen Stresslevel, denn Buchsatz, Marketing und andere Aufgaben rauben neben dem Schreiben ebenfalls Zeit.

Sie sind nicht blauäugig ans Selfpublishing herangegangen. Gab es trotzdem noch Sachen, die Sie überrascht oder an die Sie gar nicht gedacht haben? Wie haben Sie sich vorbereitet?

Motiviert und mit Herzblut, aber realistisch bin ich an das Experiment Selfpublishing herangegangen. Mich überraschte, dass der Verdienst geringer ist als man denken könnte, selbst bei hohen Rängen, was vorwiegend an Kindle Unlimited liegt. Kein Wunder, wenn der Preis pro gelesener Seite immer mehr sinkt. Inzwischen ist er auf einem Rekordtief von 0,27535 Cent (Stand: 2017/August).

Soziale Medien gehören heute zum Autorenleben dazu. Sie schaffen große Nähe zu den potenziellen Lesern, sind aber auch Zeitfresser und bieten Angriffsfläche und die Gefahr, zum Selbstdarsteller zu werden. Bei Ihnen scheint es eine gute Balance zu geben. Einerseits lassen Sie die Fans den Menschen Sandra Henke ein bisschen kennenlernen, wahren aber Ihre Privatsphäre. Und Sie informieren über Ihre Bücher und lassen ab und zu hinter die Kulissen blicken, vermeiden aber penetrante ständige Werbung. Auf welchen Kanälen sind Sie unterwegs? Und macht Ihnen diese Online-Präsenz Spaß oder ist sie ein notwendiges Übel?
Mich kann man auf Facebook (Fanpage, Profil und Story) und Instagram (Profil und Story) antreffen. Neuerdings füttere ich auch meine Story im Messenger mit Fotos und Videos. Das sind sechs hungrige Mäuler. In intensiven Schreibphasen geht das natürlich nicht oder nur bedingt, aber es macht mir Spaß, daher versuche ich, in Kontakt mit meinen Lesern zu bleiben. Manchmal wird mir aber auch alles zu viel und ich kann mich schlecht auf mein Manuskript konzentrieren. Dann nehme ich mir eine Pause. Ab und zu mache ich mir klar, dass ich „kann, aber nicht muss“.

Die Buchbranche hat, seit Sie ein Teil davon sind, unglaubliche Veränderungen erlebt. Früher war alles besser, wird oft salopp gesagt. Meist ist das jedoch nur eine Verklärung alter Zeiten. Welche Veränderungen freuen Sie?
Ich sehe das Selfpublishing als Instrument, sich selbst zu verwirklichen und seine Position gegenüber Verlagen zu stärken. Allerdings drückt es auch die Preise, was zunehmend ein Problem für alle werden wird. Alles hat seine guten und schlechten Zeiten. Der Markt ist im Wandel und wird es auch weiter bleiben. Momentan lese ich leider überall, dass die Luft für uns Autoren dünner wird, aber ich gebe die Hoffnung auf Stabilität nicht auf.

Bücher schreiben ist ein hartes Brot. Anders, als landläufig angenommen, werden die meisten Autoren nicht reich. Warum ist es trotzdem Ihr Traumjob?
Weil das Schreiben meine Leidenschaft ist. Ich kann mir ein Leben ohne nicht vorstellen.

Rosig war es trotzdem nicht immer. Sie haben offen über schwere Zeiten gesprochen. Was ist passiert? Was hat Ihnen geholfen? Und machen Sie heute etwas anders?
Vor einigen Jahren erkrankte ich schleichend an Burnout. Als ich es erkannte, war es bereits zu spät und es hatte sich daraus Fibromyalgie entwickelt. Ersteres bin ich losgeworden, zweiteres werde ich wohl den Rest meines Lebens mit mir herumtragen. Ich nenne die Krankheit manchmal „der Gorilla, der auf meinem Rücken sitzt“. Inzwischen habe ich meine Prioritäten geändert, schließe nicht mehr Verlagsverträge für viele Jahre im Voraus ab, wäge Auswärtstermine ab, sage auch mal „nein“ und habe zwei wundervolle Hündinnen aus dem Tierschutz, die mich ablenken, zum Lachen bringen und mir viele Glücksmomente schenken.

Im Mai ist mit Verliebt in den Mond der erste Band Ihrer „Herzchenkonfetti“-Serie erschienen. War die Veröffentlichung diesmal noch aufregender, weil es Ihr erster selbst veröffentlichter Roman war?

Aufregender und anstrengender, weil ich vieles lernen musste, was die technische und steuerliche Seite betrifft. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem Endergebnis. Es kann mit Verlagsveröffentlichungen mithalten, ist so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte, sowohl inhaltlich als auch technisch, und wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Ihre Leser haben Lilly und Jack, das Paar aus Band 1, gleich ins Herz geschlossen. Gibt es ein Wiedersehen mit den beiden im Folgeband? Worum geht es in Nacktbaden mit dem Teufel?
Lilly und Jack werden nur am Rande erwähnt. Jeder Band der „Herzchenkonfetti“-Reihe ist in sich abgeschlossen und dreht sich um ein neues Liebespaar. Im zweiten Band kämpft das toughe, aber liebenswerte Texasgirl Carly gegen den reichen Geschäftsmann Nathan X. Winchester. Er hat alle Grundstücke am Golden Lake, an dem Carly idyllisch wohnt, aufgekauft und will jetzt auch ihres erwerben. Aber sie liebt ihre Heimat und weigert sich standhaft, zu weichen. Womit beide nicht gerechnet haben ist, dass sie sich ineinander verlieben.

Cover - Henke, Sandra - Herzchenkonfetti 2 - Nacktbaden mit dem Teufel - großHaben Sie schon weitere Pläne mit der Serie?
Ich werde sie 2018 weiterführen. Mein Herz schlägt für die Reihe. Sie ist amüsant zu schreiben – und zu lesen – und hat mir nach dem Burnout die ungetrübte Freude am Schreiben zurückgegeben. Viele Jahre musste ich mir jeden Roman erkämpfen, weil Kopf und Körper nicht mitspielten. Das haben Lilly und Jack geändert.

Was dürfen Ihre Leser demnächst sonst noch von Ihnen erwarten?
Im Dezember wird, wie schon erwähnt, mein nächster BDSM-Roman im Heyne Verlag erscheinen. „Die Unterweisung“ kann bereits vorbestellt werden. Scotia ist eine Geschäftsfrau, die zwar ein berufliches Angebot von Aidan ausschlägt, weil er als Besitzer eines Wasserschlosses, auf dem BDSM-Partys stattfinden, eine Persona non grata ist. Gleichzeitig ist sie sofort hin und weg von ihm und so neugierig auf die dunkle Variante der Erotik, die er auslebt, dass sie sich auf eine seiner erotischen Partys einschleicht. Verborgen hinter einer Maske lässt sie sich von ihm zu einer Lustsklavin erziehen. Aber wird sie jemals öffentlich zu den Gefühlen für ihn stehen können?


Foto © Ricarda Ohligschläger
Cover © Sandra Henke, dotbooks, Heyne, MIRA

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