Im Gespräch mit Mona Kasten über New Adult und ihren Weg zur Autorin

Kasten, Mona - privatWie so viele junge Frauen ihrer Generation hat Mittzwanzigerin Mona Kasten ihren Weg ins Rampenlicht über YouTube geschafft. Mehrere Jahre plauderte sie dort neben ihrem Studium frei von der Leber weg über alles, was sie interessiert, darunter vor allem Bücher. Momentan ist es auf ihrem Kanal etwas ruhiger, doch das hat einen guten Grund. Nicht nur steht ihr Uniabschluss kurz bevor, die junge Norddeutsche konnte sich auch einen langgehegten Traum erfüllen. Sie hat nämlich nicht nur immer schon gerne gelesen, sondern auch selbst geschrieben. Nachdem sie 2014 als Indie-Autorin mit übersinnlichen Liebesromanen debütierte, wurde sie schließlich mit ihren New-Adult-Manuskripten auch von einem Verlag entdeckt. Im Oktober 2016 erschien mit Begin Again der erste Band ihrer „Again“-Serie bei LYX, mit dem sie prompt zur Bestsellerautorin avancierte. Der zweite, Trust Again, der diesen Januar folgte, stieg sogar auf Platz 2 ein. Das hängt die Latte entsprechend hoch für das dritte Buch, Feel Again, das Ende Mai veröffentlicht wird. Die Fan-Liebe bekam die Autorin gerade hautnah auf der Leipziger Buchmesse zu spüren, wo sich eine über hundert Meter lange Schlange zu ihrer Signierstunde bildete. Zuvor trafen wir sie aber noch zum Interview.

War ihnen schon damals, als Sie als YouTuberin angefangen haben, klar, dass Sie nicht nur über Bücher anderer reden, sondern selbst gerne mal welche veröffentlichen wollten?
Mit Büchern habe ich mich schon immer beschäftigt. Seit ich lesen kann. Und auch mit dem Schreiben habe ich schon angefangen, als ich so zwölf, dreizehn war. Ich habe ganz viele Romane begonnen und dann wieder abgebrochen. Mit achtzehn habe ich dann das erste Buch fertig geschrieben. Bei YouTube bin ich seit ungefähr zehn Jahren. Zuerst bin ich nur anderen gefolgt, 2012 fing ich dann auch an, selbst Beiträge hochzuladen. Darunter waren Videos über Bücher, aber auch über Filme, Lifestyle und andere Sachen. Einfach über alles, was mir selber Spaß gemacht hat. Bücher waren aber schon ein zentrales Thema, das ist einfach eine Konstante, die sich bereits durch mein ganzes Leben zieht. Und ich wollte auch schon immer etwas Kreatives machen. Wie gesagt, angefangen zu schreiben, habe ich schon recht früh, aber ich hätte nie zu träumen gewagt, mal selbst etwas zu veröffentlichen. Mir wurde immer gesagt, dass es sehr schwierig sei in der Branche. Dass ich über meinen YouTube-Kanal dann viele Autoren kennengelernt habe, deren Bücher ich vorgestellt habe, hat mich aber immer mehr in die Richtung gestoßen.

Den Einstieg haben Sie als Selfpublisherin gemacht mit Ihrer „Schattentraum“-Serie, den ersten Band haben Sie 2014 veröffentlicht. War Ihr Debüt ein übersinnlicher Liebesroman, weil das Ihr Lieblingsgenre ist?
Ja, meine große Liebe sind Fantasy-Liebesromane. Ich habe aber zwei Lieblingsgenres momentan: New Adult und Fantasy. Ich schreibe beides und lese auch beides sehr, sehr gerne.

Sie veröffentlichen unter deutschem Namen. Warum haben Sie kein englischsprachiges Pseudonym gewählt, wie es so viele andere Liebesromanautoren tun?
Da habe ich lange drüber nachgedacht und mich auch mit Freundinnen unterhalten, die selbst schreiben und alle unter ihren deutschen Namen veröffentlichen. Und für mich war klar, dass ich mit meinem Namen für meine Geschichten stehen möchte.

Dann haben Sie die Seiten gewechselt, sogar in zweifacher Hinsicht. Mit Ihrer „Again“-Serie schreiben Sie nun auch New Adult und Sie veröffentlichen erstmals in einem Verlag. Was war das für ein Gefühl, als Ihr Manuskript bei LYX angenommen wurde?
Das war toll. Ich bin selbst Stammleserin von LYX, deswegen hat mich das umso mehr gefreut. Als ich es erfahren habe, bin ich durch die Wohnung gehüpft.

9783736302471_Kasten_Begin Again_US.IND8Wie finden Sie die Zeit, neben dem Studium zu schreiben? Was studieren Sie? Und wollen Sie nach Ihrem Abschluss Vollzeit-Autorin werden?
Zeit zum Schreiben muss man sich halt freischaufeln. Das erfordert Disziplin, aber die sorgt dafür, dass ich meine Abgabetermine einigermaßen einhalte. Ein Vollzeitstudium mit den Deadlines, die ich zuletzt hatte, war schon nicht so einfach, aber ich möchte mein Studium unbedingt fertig machen. Ich bin jetzt im vorletzten Semester. Ich studiere etwas Buchaffines, mit Medienpädagogik, und kann mir gut vorstellen, später auch in dem Bereich zu arbeiten, vielleicht bei einem Verlag. Aber nach meinem Abschluss konzentriere ich mich erst einmal aufs Schreiben, weil ich jetzt die Möglichkeit dazu habe und die „Again“-Serie so toll läuft. Ich habe schon eine neue Serie geplant. Sobald ich meine Bachelor-Arbeit abgegeben habe, geht es richtig los.

Ist Ihr Wunsch zu schreiben in Ihrer Familie und von Freunden unterstützt worden? Eltern wünschen sich ja oft, dass ihre Kinder „was Richtiges“ lernen und einen sicheren Job finden.
Meine Eltern haben mich tatsächlich gefragt, warum ich eigentlich noch studiere. Da war es also genau andersrum. Meine Freunde und meine Agentin aber sahen es so wie ich, also dass ich das Studium durchziehe. Ich bin schon so weit gekommen und mir macht das Studieren auch sehr viel Spaß. Es gefällt mir, von schlauen Menschen Sachen zu lernen und meinen Kopf mit Wissen zu füllen. Deshalb war das für mich überhaupt keine Frage. Und ich kann mir gut vorstellen, wenn es mit dem Schreiben mal nicht mehr klappen sollte, noch weiter zu studieren und meinen Master zu machen.

Sie schreiben nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern treffen sich gerne auch mal mit Autorenkolleginnen. Wie laufen diese Schreib-Treffen normalerweise ab?
Es gibt mehrere Varianten. Bei der Café-Variante treffen wir uns alle außer Haus. Der Tisch ist dann immer so mit unseren Laptops zugestellt, dass kaum noch Platz für Kaffee bleibt. Aber Kaffee muss natürlich sein. Dann tauschen wir uns darüber aus, wo wir gerade in unserem Manuskript sind, wo wir vielleicht festhängen. Und wir pushen uns gegenseitig. Wenn eine sagt, sie hat schon tausend Wörter geschrieben, will man natürlich aufholen. Und dann gibt es noch die andere Variante bei jemandem zuhause, mit Übernachtung, gemütlich im Schlafanzug und bis in die Nacht schreiben. Mir persönlich bringt das sehr viel, weil das Autorenleben wirklich sehr einsam sein kann. Deshalb freue ich mich, wenn ich andere finde, die dasselbe machen, dieselben Sorgen haben, die Lücken füllen und helfen können bei Stellen, bei denen ich wochenlang denke, ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Und sie bringen mich dann auf eine ganz einfache Lösung für mein Problem.

Gibt es da auch eine besondere Verbundenheit, wenn man am Ende im selben Verlag veröffentlicht – so wie das bei Bianca Iosivoni und Laura Kneidl der Fall ist, die auch oder demnächst Bücher bei LYX herausbringen?
Auf jeden Fall.

New Adult ist ein sehr amerikanisch geprägtes Genre. Sehen Sie es als Kompliment, wenn man Ihnen sagt, dass Sie sich als Deutsche hinter Ihren amerikanischen Kolleginnen nicht zu verstecken brauchen?
Eigentlich sollte es ja egal sein, welche Nationalität ein Autor hat, aber ich sehe es schon als großes Kompliment an. Neulich schrieb mir eine Leserin sogar, dass sie dachte, ich sei Amerikanerin. Mein Name ist da ja nicht so eindeutig. Es ist wirklich ein sehr amerikanisches Genre und deshalb lasse ich meine New-Adult-Romane auch dort spielen. Für mich fühlt sich das so einfach richtig an. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht auch einmal Bücher schreiben könnte, die in Deutschland spielen.

Cover - Kasten, Mona - Trust Again - LYXBislang sind zwei „Again“-Romane erschienen. In beiden sind sowohl die Heldinnen als auch die Helden klassische Beispiele für „tortured heroes“, sie haben, obwohl sie als Collegestudenten noch sehr jung sind, schon viel mitgemacht im Leben. Die Schicksalsschläge bringen Ihre Leser reihenweise zum Weinen. Mussten Sie beim Schreiben auch ab und zu zum Taschentuch greifen? Welche Szenen waren besonders schlimm – oder zum Weinen schön?
Ich habe bis vor kurzem noch sehr intensiv am dritten Band „Feel Again“ gearbeitet, deshalb fallen mir da spontan die meisten Szenen ein. Generell bin ich immer sehr drin in den Texten und fühle auch mit, wenn etwas sehr emotional ist. Weinen tue ich eher selten, aber bei „Feel Again“ … Sawyer ist halt so eine harte Nuss. Und als ich dann endlich ihre Mauern eingerissen hatte, war ich völlig emotional und saß wirklich aufgelöst am PC. Ansonsten weine ich oft, wenn ich das Ende schreibe. Ich hatte aber auch Pipi in den Augen, als ich „Feel Again“ fertig hatte und es dann zum ersten Mal komplett gelesen habe.

Warum kommt aus Ihrer Sicht gerade Drama so gut an?
Bei einem Drama kann man einfach mitfühlen. Wenn Buchcharaktere etwas Schreckliches erlebt haben oder gerade durchleben, fühlt man mit und wünscht sich, dass sie es überwinden. Und so etwas gibt auch Mut. Wenn ein Charakter etwas Schlimmes übersteht, dann schafft man das auch.

Ihre Leserschaft ist, wie üblich im Liebesromangenre, überwiegend weiblich. Und so schwärmen sie natürlich besonders für Ihre Helden. Gibt es Liebesromanhelden von anderen Autoren, für die Sie genauso schwärmen wie Ihre Leser für Ihre Helden?
Oh, das ist eine lange Liste.

Okay, die Top 3.
Top 3? Das ist trotzdem noch schwer. Wo fange ich denn an? Okay, auch wenn es kein Liebesroman ist, ein Lieblingsheld ist Kvothe aus „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss. Der Held ist so ein arrogantes Arschloch, aber er ist so ein guter, durchdachter Charakter. Einer der besten Charaktere, die ich jemals gelesen habe. Dann finde ich West aus Ruthie Knox‘ Dilogie „Caroline & West“ großartig. Er hat auch so schlimme Sachen mitgemacht. Zwischendurch ist er auch gemein, aber man versteht ihn total gut. Ich finde ihn total toll, besonders wie er sich der Heldin gegenüber verhält. Und dann wäre da noch Cam aus „Wait for you“ von J. Lynn. Der hat mich verzaubert und erst zum New-Adult-Genre hingeführt.

Ihre „Again“-Serie spielt im Pazifischen Nordwesten der USA. Waren Sie selbst schon einmal dort? Warum haben Sie diesen Schauplatz gewählt?
Ich bin selbst noch nicht dort gewesen, leider, aber die Gegend steht auf meiner Reiseliste. Ich habe nach einem Bundesstaat mit schönen Landschaften gesucht, denn ich wusste, dass Allie und Kaden beide sehr naturverbunden sind. Es sollte Berge geben fürs Klettern, aber der Schauplatz sollte auch nah genug an der Küste liegen, damit man dahin Ausflüge machen könnte.

Heutzutage sollte man als Liebesromanautorin auch ein Händchen für Selbstvermarktung haben und in den sozialen Netzwerken gut vernetzt sein. Ist es manchmal anstrengend oder macht das auch Spaß? Und was ist wichtiger, ständig präsent zu sein oder authentisch zu bleiben?
Authentisch zu bleiben, auf jeden Fall. Bei mir ist das so, wenn ich viel online bin und viele Dinge auf mich einprasseln … man wird irgendwann einfach so überladen. Das ist mir manchmal zu viel und es hemmt meinen kreativen Prozess. Ich verstehe, dass man sich selbst vermarkten muss, das ist heute ein wichtiger Teil des Autorenlebens. Aber gerade als ich meine Abgabetermine hatte, habe ich gemerkt, dass es mir nicht guttut, wenn ich so viel online bin. Vor allem, wenn man Dinge liest, die einen runterziehen. Das hängt aber auch von der Plattform ab. Meine Lieblingsplattform ist Twitter, weil ich da auch so viele Leute kenne. Auch Pinterest mag ich, weil mir das persönlich viel Spaß macht. Facebook finde ich dagegen anstrengend. Ich habe deshalb auch kein privates Facebook-Profil mehr. Das ist aber wirklich sehr individuell und da muss jeder selbst überlegen, wo er seine Energie reinsteckt.

Cover - Kasten, Mona - Feel Again - LYXInzwischen gibt es ja auch so viele, da kann man sich zwischen den ganzen Plattformen förmlich zerreiben.
Ja, genau. Darum habe ich meinen Account bei goodreads jetzt auch gelöscht. Ich mag goodreads eigentlich gerne, aber ich habe da hunderte Nachrichten bekommen, auf die ich nicht alle antworten konnte. Und da habe ich mich so schlecht gefühlt. Man kann sich nicht auf jeder Plattform anmelden und dann unzählige Nachrichten bekommen. Da kommt man einfach nicht mehr hinterher.

Im Herbst veröffentlichen Sie auch bei Knaur. Coldworth City geht wieder in die übersinnliche Richtung. Paranormals scheinen allerdings nicht mehr so beliebt zu sein bei den Lesern. Ist das noch einmal eine besondere Bestätigung, dass Ihnen ein Verlag selbst mit einem Genre eine Chance gibt, das momentan nicht so angesagt ist, wie es die New-Adult-Romane gerade sind?
Ich bin schon gespannt, wie das Fantasy-Projekt läuft. Die „Again“-Serie ist natürlich enorm durchgestartet, aber ich kann jetzt nicht erwarten, dass jedes neue Buchprojekt genauso durchstartet. Aber „Coldworth City“ ist ein Herzensprojekt von mir und ich bin froh, dass ich überhaupt einen Verlag dafür gefunden habe, denn, wie erwähnt, hat das Genre es momentan schwer. Und ich hoffe, dass es den Lesern gefallen wird. Es ist eine Superhelden-Thematik mit einer viel, viel kleineren Liebesgeschichte. Es geht mehr um die Entwicklung und die Action. Deswegen habe ich ein bisschen Angst, dass meine Stammleser das vielleicht nicht so toll finden werden wie meine romantischeren Romane. Wir arbeiten jetzt bald im Lektorat daran und ich gebe mein Bestes.

Wird es denn eine neue Serie oder ist es als Einzelband konzipiert?
Es ist als Einzelband konzipiert und ich finde das Ende auch gut so und würde es auch gerne so belassen. Auch wenn ich schon mehrfach gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, noch mehr in dieser Welt zu schreiben. Ich finde es immer schade, wenn ich einen guten Einzelband lese und hinterher doch noch eine Fortsetzung nachgeschoben wird. Dann denke ich oft, nein, warum, das Ende war doch perfekt. Außerdem habe ich als nächstes eine New-Adult-Serie für LYX auf dem Programm, die 2018 erscheint. Danach möchte ich dann wieder einen Fantasy-Roman schreiben, aber etwas Neues in einer anderen Welt.


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