Im Gespräch mit Diana Gabaldon über ihre Bücher und die TV-Serie „Outlander“

Gabaldon, Diana - groß - Copyright Christian Kaufmann

Seit Monaten ist die Fernsehwelt im Highlandfieber. Im Herbst 2014 begeisterte die erste Staffel der TV-Serie „Outlander“ zunächst das amerikanische Publikum, im Frühjahr 2015 folgte dann auch die Deutschland-Premiere. Mindestens ebenso frenetisch gefeiert wie die Hauptdarsteller wird auch die Autorin, die vor rund fünfundzwanzig Jahren mit Feuer und Stein (Outlander) ihren Debütroman vorlegte. Mit ihrer Zeitreisegeschichte um die Armeekrankenschwester Claire, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Schottland durch einen magischen Steinkreis zweihundert Jahre in die Vergangenheit versetzt wird, wo sie auf den jungen, von den Engländern gesuchten Schotten Jamie Fraser trifft, eroberte die studierte Meeresbiologin die Leserherzen im Sturm. Derzeit arbeitet sie am neunten Band der Buch-Serie, nimmt sich aber auch gerne die Zeit, mit den Darstellern zu Fan-Events zu reisen wie der RingCon, die vom 6. bis 8. November 2015 in Bonn stattfand. Dort beantwortete sie auch einige neugierige Journalistenfragen, unter anderem unsere. Von den Fernsehkollegen wurde uns hinter vorgehaltener Hand dann noch verraten, dass die zweite Staffel, die gerade gedreht wird, wohl ab April 2016 ausgestrahlt wird – kurz nachdem sie in den USA anläuft. Aber auch Diana Gabaldon plauderte aus dem Nähkästchen.

 

Sie wollten schon als Kind Autorin werden, trauten sich aber nicht, das ihrem Vater zu sagen. Stattdessen haben Sie etwas „Richtiges“ gelernt. Wie hat Ihr Vater reagiert, als Sie schließlich doch einen Roman geschrieben und sogar veröffentlicht haben – und „Feuer und Stein“ und die Folgebände so erfolgreich wurden?
Ich habe ihm zuerst nichts davon erzählt, dass ich ein Buch schreibe. Erst nachdem ich das Manuskript verkauft und meine Agentur einen Verlagsvertrag über drei Bücher ausgehandelt hatte, rief ich ihn an und überraschte ihn mit der Neuigkeit. Es hat mir viel bedeutet, als er meinte, wie stolz meine Mutter gewesen wäre. Sie war gestorben, als ich neunzehn war. Es war ein sehr schönes Gespräch. Doch dreißig Sekunden, nachdem wir aufgelegt hatten, rief er mich zurück und fügte hinzu: „Gib bloß deinen Job nicht auf!“
Das habe ich auch nicht sofort getan. Erst anderthalb Jahre später, als ich dabei war, das zweite Buch, Die geliehene Zeit (Dragonfly in Amber), zu beenden, und mein befristeter Arbeitsvertrag mit der Universität auslief, habe ich zu meinem Ehemann gesagt, dass wir wohl nicht verhungern, wenn ich ganz aufhöre, und ich es schön fände, mal wieder länger als vier Stunden am Stück zu schlafen. Also habe ich den „Brotberuf“ an den Nagel gehängt.

Sie konnten es sich also leisten, sich ganz auf Ihre Schriftstellerei zu konzentrieren?
Ja, das war glücklicherweise möglich. Nur mein Vater war noch lange skeptisch. Viele Jahre schickte er mir weiter die merkwürdigsten Stellenangebote. Beim fünften Band, Das flammende Kreuz (The Fiery Cross), hatte ich ihn dann aber wohl überzeugt. Der Roman ist ihm auch gewidmet. Es war schön, dass er noch miterlebt hat, was ich erreicht habe.

Auf Ihrer Webseite ist zu lesen, an welchem Tag genau Sie angefangen haben, Ihr erstes Buch zu schreiben. Warum war es gerade dieser Tag und woher wissen Sie das, mehr als siebenundzwanzig Jahre später, noch so exakt?
Nun, irgendwann muss man halt anfangen. Der Tag an sich war gar nicht besonders oder erinnerungswürdig. Ich kann das einfach so genau sagen, weil meine Dateien alle datiert sind. Und die älteste zu dem Manuskript, das später „Feuer und Stein“ wurde, stammt vom 6. März 1988.

Wie haben Sie ihren Traum dann tatsächlich wahrgemacht? Immerhin waren Sie als Dozentin tätig, gaben dazu noch ein Computer-Fachmagazin heraus und hatten auch eine Familie mit drei kleinen Kindern. Wie kamen Sie da überhaupt noch zum Schreiben?
Man macht ja nicht alles gleichzeitig. Als Mutter verbringt man nicht jede Minute mit den Kindern. Und wer arbeitet tut das nicht rund um die Uhr. Zwar sagen manche Leute, sie hätten überhaupt keine Zeit für andere Sachen, dabei merken sie nur nicht, wie viel Zeit sie in Wirklichkeit verschwenden. Ich gucke zum Beispiel kein Fernsehen. Andere machen das abends drei oder vier Stunden lang. Da könnte man gut schreiben. Man hat ja selbst die Wahl, wie man seine Zeit verbringt.

Mit dem Lesen ist es ja ähnlich. Da gibt es auch immer Leute, die behaupten, sie hätten keine Zeit dazu.
Ganz genau. Sie denken einfach nicht logisch darüber nach und sind schlicht zu faul, das wirkliche Problem zu betrachten. Das konnte ich nicht. Ich hatte zwei Jobs, und meine Familie kam immer an erster Stelle. Deshalb habe ich nachts geschrieben. Was meinem Biorhythmus aber auch entgegenkam. So konnte ich die Kinder morgens zur Schule bringen und auch bei Ausflügen dabei sein. Ich habe mich um sie gekümmert, wenn sie zuhause waren. Und als ich an meinem ersten Buch saß, waren sie sechs, vier und zwei Jahre alt, also waren sie in der Tat viel zuhause. Trotzdem musste ich nicht vierundzwanzig Stunden am Tag über sie wachen.
In der Zeit, in der Kinder die Aufmerksamkeit der Mutter nicht brauchen, können die andere Sachen machen. Lesen zum Beispiel, oder eben Schreiben. Manche haben da allerdings anscheinend falsche Vorstellungen und denken, dass das Bücherschreiben so eine ernste Sache ist, für die man unglaublich viel Zeit am Stück braucht. Garantiert acht Stunden am Tag, in denen man nichts anderes macht, als zu schreiben, und nicht gestört wird. Dann braucht man noch einen Ehemann, der einen uneingeschränkt unterstützt, ein eigenes Zimmer und eine perfekte Tastatur. So läuft das aber in der Regel nicht. Am Anfang hatte ich zwischendurch vielleicht fünfzehn Minuten. Und wenn es nur zehn wären, nutzt man halt die, um zu schreiben. Und irgendwann hat man dann ein Buch. Wer auf den perfekten Moment wartet, wird gar nicht erst anfangen. Den gibt es nämlich nicht.

Sie hatten eigentlich gar nicht geplant, eine Serie zu schreiben.
Nein, überhaupt nicht. Ich habe ursprünglich mein erstes Manuskript angefangen, um erstmal zu lernen, wie man ein Buch schreibt. Ich hatte gar nicht geplant, es jemals jemandem zu zeigen.

Unzählige Leser auf der ganzen Welt waren dann begeistert von der Geschichte und den Charakteren. Wann wussten Sie, dass Sie eine Fortsetzung schreiben würden?
Das war schon, als ich „Feuer und Stein“ beendete. Da hatte ich zwar noch keinen Vertrag, aber einen Agenten. Als ich ihm dann das fertige Manuskript schickte, sagte ich ihm, dass mir in den vorangegangenen Monaten bewusst geworden war, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt sei, ich aber dachte, einen vorläufigen Schlusspunkt setzen zu sollen, solange ich den Wälzer noch tragen konnte. Aber wenn er es an Lektoren schicken würde, die Interesse bekunden, könne er ihnen sagen, dass ich genug weitere Ideen hätte. Das tat er dann auch. Von fünf Verlagen, denen er das Buch geschickt hatte, meldeten sich innerhalb von vier Tagen drei zurück, die es kaufen wollten. Die Nachricht, dass da mehr wäre, wurde mehr als positiv aufgenommen, denn Trilogien waren gerade sehr angesagt. Und als er gefragt wurde, ob ich nicht nur ein zweites sondern auch ein drittes Buch schreiben könnte, meinte er nur: „Sicher.“ Und so bekam ich den Vertrag über drei Bücher. Wie sich später herausstellte, reichte der Stoff sogar noch für viel mehr als das – was durchaus auf Zustimmung traf.

Sie haben sehr darum gekämpft, dass Ihre Bücher in den Buchhandlungen von der Liebesromanabteilung in die allgemeine Belletristik kommen. Ganz viele Leser mögen sie aber gerade wegen der wundervollen Liebesgeschichte.
Das ist auch völlig in Ordnung. Die Leser sehen eine Menge in den Büchern, sie sind ja auch sehr komplex. Und es hängt auch immer davon ab, an welchem Punkt im eigenen Leben man sie liest. Wenn man sie mit fünfzehn zum ersten Mal liest, sieht man vielleicht hauptsächlich die Liebesgeschichte von Jamie und Claire und das Abenteuer. Mit fünfundzwanzig liest man sie dann ganz anders und mit fünfunddreißig findet man noch mehr Aspekte. Sie sind ziemlich vielschichtig, und diese verschiedenen Schichten enthüllen sich einem erst mit der Zeit – wenn man selbst reif genug ist. Deshalb gibt es viele Leute, die sie immer wieder lesen, weil sie eben immer wieder etwas Neues darin entdecken. Jede Leseerfahrung ist anders, man liest nie wirklich dasselbe Buch noch einmal – zumindest wenn das Buch wenigstens ein bisschen Tiefe hat.

Stört es Sie denn, wenn jemand sagt, „Feuer und Stein“ sei der beste Liebesroman, den sie je gelesen hätten?
Nein, nur fände ich es schade, wenn das Buch darauf reduziert würde. Wenn mir jemand ein Buch so empfehlen würde, würde ich vielleicht sagen: „Klingt nett.“ Aber ich würde es nicht lesen, weil das einfach nicht mein Genre ist. So würde es mir auch gehen, wenn es als Fantasy-Roman bezeichnet würde. Da könnte manch einer annehmen, dass es darin vor Elfen wimmelt. Wenn man einem Buch ein bestimmtes Genrelabel verpasst, schreckt man quasi drei Viertel der Leser ab, denen es eigentlich gefallen könnte. Und meine Bücher lassen sich einfach nicht in ein einzelnes Genre einordnen.

Die „Outlander“-Serie umfasst derzeit acht Bücher. Am neunten schreiben Sie gerade. Gab es eins, das besonders schwer zu schreiben war, eins, bei dem es vielleicht etwas leichter ging, oder eins, das besonders befriedigend war?
Nun, es sind alles ziemlich lange Bücher, und so bin ich mit jedem lange beschäftigt gewesen und bei jedem gab es Höhen und Tiefen und schwierige Stellen. Aber schwer war es beim fünften Band. Das lag aber an der Atmosphäre im Verlag zu der Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch an sich ziemlich egal war und es nur wichtig war, dass der Autorenname es gut verkaufen würde. Auf das Lektorat oder einen Feinschliff wurde nicht sonderlich viel Wert gelegt. So legte der Verleger einfach einen Erscheinungstermin fest, und es war nur wichtig, dass der eingehalten wurde. Ich habe mich auch sehr bemüht. Während ich noch am letzten Drittel schrieb, las ich bereits die redigierten Fahnen vom ersten Drittel und überarbeite gleichzeitig den Mittelteil. Alle drehten komplett durch. Ich versuchte, den Druck von meiner Lektorin zu nehmen, und schickte ihr das letzte Drittel, sobald ich es fertig geschrieben hatte – in der Erwartung, dass ich es mit Anmerkungen zur Überarbeitung zurückbekäme. Der Verleger riss es ihr aber quasi aus den Händen und ließ sie gar keinen Blick darauf werfen.
Stattdessen hängte er es nur an den vorderen Teil an und so ging das Manuskript gleich in Druck. Ohne, dass der Schluss je lektoriert oder auch nur Korrektur gelesen worden wäre. Ein Lektorat ist aber sehr wichtig. Außerdem straffe ich beim letzten Überarbeitungsschritt immer noch sehr, überlege bei jedem Wort, ob es nötig oder überflüssig ist, streiche Szenen. Danach ist ein Buch von mir rund dreißig- bis vierzigtausend Wörter kürzer. Da ich das bei „Das flammende Kreuz“ nicht machen konnte, ist dieser Band nicht so dicht strukturiert wie die anderen Bücher. Deshalb war ich mit dem Buch nie so ganz zufrieden. Und es hat mich geärgert, dass ich nicht so arbeiten konnte, wie ich es gerne mache.

Ein Buch, das mehr als tausend Seiten umfasst, schreibt sich nicht in ein paar Monaten. Sie brauchen etwa drei Jahre für einen Roman in der Serie. Wie läuft das ab, ohne vorher ein Exposé zu schreiben oder zu plotten? Wie und wo fangen Sie an?
Irgendwo. Ich brauche nur einen klitzekleinen Impuls. Das kann ein lebhaftes Bild sein, eine Dialogzeile oder auch eine emotionale Atmosphäre oder eine Landschaft. Irgendetwas, das ich ganz konkret spüre und vor meinem inneren Auge sehe. Das beschreibe ich dann so gut wie möglich und sehe mir den Satz an. Danach streiche ich Wörter raus, füge welche hinzu, stelle den Satz um und spiele damit herum. So schreibe ich mehr und immer mehr. Während ich dann daran feile, die Sätze elegant klingen zu lassen, stelle ich mir im Hinterkopf jede Menge Fragen. Welche Tageszeit ist es? Ist das Zimmer kalt? Was ist mit dem Hund? So komme ich von Hölzchen auf Stöckchen und wechsle immer hin und her.

Fans können für einen Autor sowohl Fluch als auch Segen sein. Wenn sie eine Buchserie lieben, wollen sie immer Nachschub. Wie oft bekommen Sie im Monat Anfragen, wann der nächste Band fertig sein wird? Und empfinden Sie das als Druck, als nervig oder eher als Kompliment?
Nun, es ist ja nicht so, dass die Leser da wirklich Einfluss drauf hätten, wie schnell es geht, wieso sollten sich Autoren da unter Druck gesetzt fühlen? Leser werden wohl kaum sagen, dass ein Autor viel zu lange fürs nächste Buch gebraucht hat, und sie es deshalb nicht lesen. Ich sehe es eher als schmeichelhaft. Ich selbst käme nie auf die Idee, einen Schriftsteller zu fragen, wann er endlich das nächste Buch fertig geschrieben hat. Aber als Autorin weiß ich, wie es funktioniert. Wenn Leser hören, dass eine J.K. Rowling ihre Serie durchgeplant hat und ihre Bücher zu festgelegten Terminen fertig waren, gehen einige davon aus, dass das immer so läuft. Aber jeder arbeitet anders, und meine Fans sollten mittlerweile wissen, dass es bei mir nicht so zugeht. Es ist ja nicht so, als ob alle Autoren schon fertige Geschichten im Kopf hätten und einfach nur schneller tippen müssten. Nein, so funktioniert es nicht.
Lästig wird es aber nur, wenn sich die Frage etwa bei Facebook häuft. Da wünschte ich, dass manche einfach mal meine vorherigen Kommentare lesen würden, anstatt dieselbe Frage zu stellen, die längst beantwortet ist.

In Deutschland erscheinen Ihre Bücher jetzt bei einem anderen Verlag. Knaur bringt die Serie noch einmal heraus. Die ersten drei Bücher wurden dafür neu übersetzt von Barbara Schnell, die ab dem vierten Band Ihre Stammübersetzerin wurde. Warum sollten Ihre Fans, die die Geschichten schon kennen, sich die Neufassungen trotzdem zulegen?
Weil sie endlich komplett sind. Bei den ersten Übersetzungen wurde viel herausgestrichen. Jetzt sind sie auch sprachlich und von der Stimmung her viel näher am Original. Natürlich können sie bei der früheren, gekürzten Disney-Version der Übersetzung bleiben. Sie haben die freie Wahl. Aber sie sollten wissen, dass die Neuübersetzungen qualitativ sehr viel besser sind.

Sie haben schon öfter gesagt, dass Sie selbst noch nicht wissen, welches Buch der Serie das letzte sein wird. Aber wissen Sie denn schon, was Sie nach dem letzten Roman machen werden?
Ich habe da so einige Ideen. Ich werde weiter schreiben. Und ich kann ja auch immer wieder zu Jamie und Claire zurückkehren. Es gibt Prequels, Novellen; sie haben lange und sehr komplexe Leben, und wenn ich wollte, könnte ich ihnen da irgendwo zwischendrin einen kleinen Besuch abstatten.

Ihre Bücher waren Bestseller, lange bevor es schließlich die TV-Serie gab.
Oh ja, deshalb wurden sie ja erst verfilmt.

Hat die Fernsehserie ihnen denn noch mal einen Schub gegeben? Hören Sie mittlerweile auch von Leuten, die die Geschichten erst durch die Verfilmung kennen und hinterher dann die Bücher für sich entdeckt haben?
Ja, sogar von sehr vielen.

Was ist mit ihren „alten“ Fans? Wie finden die die TV-Serie?
Die meisten sind begeistert. Nur ab und zu nörgeln welche, weil etwas nicht so umgesetzt wurde, wie sie sich das vorgestellt haben.

Das liegt sicher daran, dass einige nicht verstehen, was „Adaption“ bedeutet.
In der Tat. Aber wann immer solche Einwände geäußert werden, sage ich nur: „Die Show ist die Show, und das Buch ist das Buch.“ Man kann beim Gucken nicht das Buch neben sich legen und erwarten, dass in der Show alles exakt so vorkommt. Damit verdirbt man es sich. Und wenn jemand in der Verfilmung etwas vermisst hat, kann er ja jederzeit das Buch noch einmal lesen.

Sie scheinen recht involviert zu sein in das TV-Projekt. In Staffel 1 hatten Sie sogar einen kleinen Gastauftritt. Sie durften nicht nur kurz durchs Bild huschen, sondern hatten sogar eine kleine Sprechrolle. Hat das Spaß gemacht?
Ich finde die Verfilmung sehr gelungen, und selbst mitzuspielen war sehr spaßig. Ursprünglich sollte ich nur ans Set kommen, um mir alles anzusehen und Interviews zu geben. Wie ich schon erwähnte, kam die Verfilmung überhaupt erst zustande, weil die Bücher so beliebt sind und es eine so große und enthusiastische Fangemeinde gibt. Ich bin ziemlich sicher, dass die Macher der TV-Serie mich wirklich mögen, aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätten sie wohl alles daran gesetzt, dass mir die Show gefällt. Sie hätten sicher nicht gewollt, dass ich auf meiner Facebook-Seite verkünde, dass ich die Serie schrecklich fände, ich nicht glauben könnte, wie sie meine Geschichte verhunzt hätten und sich niemand die Verfilmung ansehen sollte. Sie haben sich also wirklich sehr viel Mühe gegeben. Und Ronald D. Moore hat es wirklich so gemeint, als er sagte, er mache die Serie für die Fans. Er wollte sie – und auch mich – glücklich machen.
Als ich dann eingeladen und gefragt wurde, ob ich als Komparsin auftreten wollte, hat mir die Idee gleich gefallen. Das ist eben auch wieder so ein Schmankerl für die Fans, und ich war gespannt, ob sie mich in der Menge entdecken würden. Als es dann hieß, dass ich als Komparsin drei Tage nur an derselben Stelle rumstehen würde, und ob ich nicht lieber einen kleinen Cameo-Auftritt übernehmen wollte, habe ich ja gesagt. So konnte ich zweieinhalb Tage mal ins Schauspielerleben hineinschnuppern. Das öffnet einem schon die Augen. Das habe ich mittendrin auch zu Sam Heughan, dem Jamie-Darsteller gesagt. Es ist nicht wirklich glamourös.

Sie scheinen die Schauspieler sehr zu mögen.
Ja, besonders Sam. Wir sind befreundet, seit er die Rolle bekam. Er war ja der erste, der engagiert wurde, und es gab sehr viele Spekulationen darum, wer Jamie spielen würde. Es wurde ein ziemliches Geheimnis daraus gemacht. Ich habe es natürlich erfahren, bevor es öffentlich wurde. Als mir sein Vorsprechen gezeigt wurde, war ich ganz aufgeregt und guckte, ob er irgendwo online war. So fand ich seinen Twitter-Account.

Ihre und Sams Twitter-Unterhaltungen sind ja inzwischen schon fast legendär.
Oh ja, er ist sehr schlagfertig, und es macht viel Spaß, mit ihm zu scherzen. Zu der Zeit hatte er etwa achtzehn Follower, alles Freunde von ihm. Er war zwar Schauspieler, aber eben noch nicht wirklich bekannt. Deshalb musste ich ganz schnell auch noch sechs anderen jungen, schottischen Schauspielern auf Twitter folgen, damit niemand merkte, dass ich Sam im Fokus hatte. Ein kleines Ablenkungsmanöver. Jedenfalls war er gerade online und twitterte, dass er am nächsten Morgen zu Dreharbeiten nach Norwegen fliegen würde. Ich klinkte mich ein und schrieb, dass sich das nach einem netten Job anhörte. Es hätte ja gut sein können, dass er es merkwürdig fand, dass eine fremde Frau sich auf einen seiner Tweets meldete, aber er wusste gleich, wer ich war. So haben wir uns dann über Direktnachrichten ausgetauscht. Er schrieb, wie aufgeregt er sei und wie sehr er meine Bücher möge, und ich antworte, dass ich sein Vorsprechen ganz toll fand und er so gut wäre.

Für Sam Heughan war das vermutlich die Chance seines Lebens. Bekommen Sie jetzt von ihm immer ein Extrageschenk zu Weihnachten?
Nein, vielleicht sollte ich ihm da ja mal einen Wink mit dem Zaunpfahl geben. Aber ganz ehrlich, ich war ja nicht für die Besetzung verantwortlich. Die Produzenten haben denjenigen ausgesucht, den sie am besten fanden. Und er war einfach großartig.
Jahrelang bin ich immer wieder gefragt worden, welchen Schauspieler ich für Jamies Rolle nehmen würde. Und ich sagte immer nur: „Wie soll ich das wissen?“ Es kam ja nicht wirklich darauf an, wie er aussehen würde, solange er groß und einigermaßen nett anzusehen wäre. Wichtig war, dass er die Rolle spielen könnte. Und das hat Sam wirklich wunderbar geschafft.

Nun, ein klitzekleines bisschen hatten Sie ja schon damit zu tun. Immerhin haben Sie die Figur erschaffen.
Ja, gut. Aber ich glaube, es gibt Dutzende Schauspieler, die Jamie nicht so gut spielen könnten, wie Sam es tut.

Was macht Sam Heughan zum perfekten Jamie?
Er ist sehr nuanciert. Er denkt sich regelrecht in die Rolle hinein. Ich habe ihn mal gefragt, wie er die Sache angegangen ist, ohne wirklich eine konkrete Antwort zu erwarten. Das ist so wie die Frage an Autoren, wie sie ein Buch schreiben. Man kann zwar etwas dazu sagen, aber die Antwort wird für andere meist nicht sehr erhellend sein. Aber Sam meinte, er hätte sich das Material durchgelesen und ein Gefühl für Jamie entwickelt. Und das hat er tatsächlich. Er hat verstanden, wie Jamie tickt, wie er der geworden ist, der er ist.
Beim Vorsprechen spielte er unter anderem die Szene, in der er Claire sagt, dass er sie bestrafen wird. Und er hat sie genau auf den Punkt gebracht, mit dieser Mischung aus Humor und Drohung. Das war gleichzeitig sexy und beängstigend.

Wer von den Schauspielern sieht denn im Kilt am besten aus?
Oh, da machen sie alle eine gute Figur – wenn man eine Schwäche für Männer in Kilts hat.

Wie ist es, ab und zu mit den Darstellern unterwegs zu sein, etwa mit ihnen gemeinsam auf der RingCon aufzutreten?
Das ist ein seltenes Vergnügen. Sie sind ja ständig bei Dreharbeiten, und ich schreibe. Aber auf dem Weg zur RingCon saß ich zufällig gemeinsam mit Gary Lewis, der in der Serie Colum MacKenzie spielt, im selben Flieger und wir haben uns sehr angeregt unterhalten. Sie sind alle sehr nett, und mittlerweile, nach gut zwei Jahren, kenne ich sie auch ganz gut.
Mit Sam und Caitriona Balfe war ich auch schon ein paarmal unterwegs, gelegentlich war auch Tobias Menzies dabei, also Jamie, Claire und Frank/ Black Jack Randall. Also die drei, um die es in der ersten Staffel hauptsächlich geht. Bei einer solchen Promotion-Tour – wir waren etwa bei der Comic-Con in San Diego und haben oft Panels oder Interviewrunden miteinander absolviert – kommt man sich schon näher. Meist war ich bei Gruppeninterviews mit Ron zusammen, aber auch schon mal mit Sam. Nur mit Caitriona bislang noch nicht.

Ihr Sohn, Sam Sykes, ist auch Autor. Macht es Sie stolz, dass er gewissermaßen in Ihre Fußstapfen getreten ist, oder hatten Sie auch Sorgen, weil Sie die Buchbranche so gut kennen?
Nein, Angst hatte ich keine. Ich wusste seit seinem sechsten Lebensjahr, dass er Autor war. Schon damals schrieb und illustrierte er „Bücher“, also er erfand seine eigenen Geschichten. Er wusste, was Charaktere waren, und hatte eine blühende Fantasie. Man kann jemandem nicht sagen, dass er kein Autor werden soll, wenn er tief drin längst einer ist. Ich habe einfach abgewartet, bis er so weit war, um ihm dann praktische Tipps zu geben. Etwa wie man ein Anschreiben verfasst oder einen Agenten findet. Und ich konnte ihm jemanden nennen, der meiner Meinung nach zu ihm passen würde. Und selbst wenn nicht, ich kannte ja jede Menge Leute in der Branche, die ich ihm vorstellen konnte, und ihm so helfen. Danach war er auf sich allein gestellt. Denn er musste ja selbst zeigen, dass er schreiben konnte. Ich konnte ihm aber die Tür ein bisschen öffnen, denn meine Empfehlung würde immerhin dazu führen, dass man sich seine Sachen anguckte.
Ob jemand schreiben kann, merkt man schon nach einem Absatz. Und Sam kann es. Er fand einen Agenten, und seine Fantasy-Romane sind inzwischen in acht Ländern veröffentlicht, auch in Deutschland. Er kann sich seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdienen, und das kann ja leider nicht jeder Autor.


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