Eingeschätzt: LYX Storyboard wird geschlossen

LYX Storyboard Logo

 

Erst im Frühjahr 2014 an den Start gegangen, schließt das LYX Storyboard diesen Sommer bereits wieder seine Pforten. Bei der Verlagsgruppe Lübbe, die, wie wir berichteten, die Imprints LYX und INK von den Egmont Verlagsgesellschaften übernimmt, hat man dank der eigenen Autoren- und Lesercommunitys bookRix und Lesejury keine Verwendung für die vor zwei Jahren auf der Leipziger Buchmesse mit viel Tamtam vorgestellte Lese- und Schreibplattform, die so gerne an ähnliche Anbieter wie neobooks anknüpfen wollte.

Damals stieß das Projekt noch auf viele Interessierte, hatten doch Leser die Hoffnung, dort frische neue Autorenstimmen zu entdecken, während erwartungsvolle Jungautoren darauf setzten, es mit ihren eingereichten Manuskripten ins LYX-Programm zu schaffen. Doch schon bald zeigte sich, dass die Plattform eine überschaubare Welt für sich war, eine Nische im Internet, in die sich zwar einige Schreibende voller Elan, kaum aber das breite Publikum hin verirrte. Auch wenn die Betreiber sehr optimistisch von einem Potential von 20.000 Lesern ausgingen.

Dass dies ein Trugschluss war, war bereits daran zu erkennen, dass bei den halbjährlichen Wettbewerben, bei denen jeweils ein sogenanntes „LYX-Talent“ gekürt wurde, das mit seinem Siegertitel einen E-Book-Vertrag erhielt, oftmals Geschichten aus dem Bereich der paranormalen Liebesromane vorne lagen, die sonst auf dem Markt immer weniger Anklang fanden. Gravierender war jedoch, dass man den ersten Platz stets mit weit unter 100 Stimmen erreichte – alles andere als repräsentativ. Und es dauerte nicht lange, bis geklagt wurde, dass es eher die am besten vernetzten als die begabtesten Teilnehmer bis aufs Treppchen schafften.

LYX-Talent-Gewinner-1

Das erste LYX-Talent, das es auf 82 Stimmen gebracht hatte (s. Screenshot), wurde so wenig verwunderlich fast nur noch vor Verwandten, Freunden und Verlagsmitarbeitern im Herbst 2014 auf der Frankfurter Buchmesse gefeiert. Leser und Blogger blieben der Präsentation weitestgehend fern. Und auch die weiteren Aktivitäten fanden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zumindest war außerhalb des Storyboards selbst und trotz der eifrigen Versuche des Verlags, Aufmerksamkeit für die Plattform zu generieren, kaum etwas darüber in Blogs oder den sozialen Medien zu lesen.

Als logische Konsequenz wird die Plattform nun zum 30. Juni 2016 vom Netz genommen – und bekommt damit noch eine kleine Übergangsfrist. LYX und INK segeln bereits ab dem 1. Juni unter neuer Flagge.