Eingeschätzt: Bastei Lübbe übernimmt LYX und INK

Die Nachricht hat heute für viel Wirbel auf dem deutschen Buchmarkt gesorgt und ganz besonders in der Liebesromanszene: Bastei Lübbe übernimmt von den Egmont Verlagsgesellschaften die beiden Imprints LYX und INK.

Bastei Lübbe übernimmt LYX und INK

Als LYX im Herbst 2007 an den Start ging, wurde der Verlag schnell zum Hoffnungsträger vieler Liebesromanleser, gab er dem Genre doch einen frischen Anstrich. Er holte es mit moderner Covergestaltung, aber vor allem mit der Veröffentlichung der bis dato hierzulande kaum beachteten Paranormals – auch als Romantic Fantasy bezeichnet – aus der „Schmuddelecke“, in der die Bücher bei anderen Branchenvertretern – die alsbald das erfolgreiche Konzept kopierten – lange geschlummert hatten. Schnell bildete sich eine große Fangemeinde, die beinahe einen Kult um das Programm entwickelte und Autorinnen wie Lara Adrian, Nalini Singh, Kresley Cole oder auch Lynsay Sands auf die Bestsellerlisten hievte.

Mit der Zeit wurden neue Standbeine geschaffen durch die Erweiterung des Portfolios. So kamen ein paar Jahre später Romane aus den Liebesromansubgenres Romantic Suspense (Romantic Thrill) und dann Historical (Romantic History) hinzu, für das boomende Young-Adult-Genre wurde das neue Imprint INK gegründet, für die lautstarke Klientel der E-Book-Leser ein Digitalprogramm aufgelegt und zuletzt sollten mit Krimis und Thrillern auch Nicht-Liebesromanleser angesprochen werden. Sogar die Mammutinvestition in eine Lese- und Schreibplattform – LYX Storyboard – durfte am Ende nicht fehlen.

Einerseits mussten sicher Alternativen gefunden werden, da die Paranormals immer mehr ihre Zugkraft verloren. Doch etlichen Lesern der ersten Stunde kam es allmählich so vor, als würde sich der Verlag bei all seinen Aktivitäten immer mehr verzetteln und von seinen treuen Fans entfernen. Serien wurden schneller eingestellt, als sie sich etablieren konnten, was einige Vorsicht walten ließ, neue Serien des Imprints auszuprobieren, aus Angst, sie dann doch wieder nicht zu Ende lesen zu können. Andere Autoren wurden nur noch oder von vornherein nur als E-Books veröffentlicht, was die Printbuch-Anhänger zunehmend vergrätzte. Und hatte man sich an ein neues Must-Have-Genre gewöhnt, wie etwa bei der New-Adult-Welle, wurde schon der nächste vermeintliche Trend totgeritten.

Jetzt bekommt LYX also eine neue Heimat unter dem Dach der seit ein paar Jahren stark expandierenden Verlagsgruppe Lübbe, die ebenfalls inzwischen in Köln ansässig ist und nicht nur das Programm, in das die INK-Titel integriert werden, komplett übernehmen wird, sondern auch das Lektorat. Damit stärkt das Unternehmen seinen Liebesromanbereich wieder deutlich, der in den letzten Jahren stark zurückgefahren worden war. Für beide Seiten könnte dies somit ein verheißungsvoller Neuanfang sein. Und für die Leser am Ende vielleicht auch.