Buchrezension Pamela Schoenewaldt – Die Tochter der Nachtigall

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PAMELA SCHOENEWALDT
Die Tochter der Nachtigall
(als Taschenbuch unter dem Titel Das Lied der Neuen Welt erschienen)
Swimming in the Moon
Einzelband
Historischer Roman/ Frauenroman
Dezember 2015
HarperCollins Germany
HC, €19,90/ TB, €9,90/ E-Book, €8,99

 

 


 

Die vierzehnjährige Lucia und ihre Mutter Teresa Esposito arbeiten 1905 als Dienstmädchen in einer Villa in Neapel. Teresa ist mit großem musikalischem Talent, aber auch mit einem überbordenden hitzigen Temperament gesegnet. Ihr unkontrolliertes Verhalten bringt Mutter und Tochter schließlich in große Bedrängnis, weshalb sie sich zur Flucht aus Italien entschließen. In den USA verzaubert Teresa die Amerikaner mit ihrer Stimme und wird als „Neapels Nachtigall“ berühmt. Doch immer wieder bringt sie mit ihrer Unvorsichtigkeit und ihren Stimmungsschwankungen das Leben der Familie durcheinander. Die erwachsen gewordene Lucia begreift schließlich, dass sie sich von ihrer Mutter lösen muss. Denn während die Industrialisierung für Fortschritt und Unruhen sorgt, werden auch die gesellschaftlichen Probleme offensichtlich, und die junge Frau muss für ihre eigenen Träume und ein selbstbestimmtes Leben kämpfen.

Pamela Schoenewaldt erzählt mit viel Feingefühl und Charme eine berührende Geschichte über zwei italienische Einwanderinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei verknüpft sie persönliche Schicksale mit den Umwälzungen der damaligen Zeit. Im Verlauf des Buches nimmt besonders Teresas psychotisches Wesen sehr viel Raum ein. Ihre krankhafte Art lässt den Roman gleichzeitig lebendig und bedrückend wirken, denn wie ihre Tochter, die als Ich-Erzählerin fungiert, weiß man nie, was als nächstes passieren wird. Leider gelingt es der Autorin nicht immer, diesen Handlungsstrang gut mit Lucias Engagement in der Arbeiterbewegung zu verbinden. Genauso komplex wie Charaktere und Handlung sind auch die Rückblenden in Lucias und Teresas italienische Vergangenheit. So ist stets die volle Aufmerksamkeit des Lesers gefordert. Aber die Mühe lohnt sich, denn als Belohnung winkt eine farbenfrohe Stippvisite in einer anderen Zeit und mit außergewöhnlichen Figuren, die auch nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben. (StS)