Buchrezension Karin Slaughter – Vergiss mein nicht

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KARIN SLAUGHTER
Vergiss mein nicht
Kisscut
Band 2 der „Grant County“-Serie
Thriller
September 2004
Rowohlt/ Blanvalet
HC, €19,90/ TB, €10,99/ E-Book, €9,99

 

 


Nach ihrer Versöhnung wollen Sara Linton und Jeffrey Tolliver einen entspannten Abend auf der Rollschuhbahn verbringen. Die Stimmung ist ausgelassen, bis die dreizehnjährige Jenny auf dem Parkplatz einen Revolver auf einen älteren Jungen richtet. Als Polizeichef ist Jeffrey bemüht, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Er versucht, das Mädchen verbal zum Aufgeben zu bewegen. Jenny scheint es dagegen darauf anzulegen, erschossen zu werden. Und Jeffrey bleibt schließlich auch keine andere Möglichkeit mehr, als von seiner Waffe Gebrauch zu machen. Nachdem in der Toilette der Bahn ein frühgeborenes Baby tot aufgefunden wird, scheint klar zu sein, was den Teenager zu seiner Verzweiflungstat getrieben hat. Die Vermutung, sie habe ihren Freund umbringen wollen, weil der sie geschwängert und verlassen hat, wird von Sara bei der Obduktion widerlegt. Die Leichenschau fördert eine grausige Genitalverstümmelung zutage.

Im zweiten Band der Grant-County-Reihe hat das Ex-Ehepaar Linton-Tolliver gerade erst wieder zueinander gefunden. Statt die Zweisamkeit genießen zu können, müssen sie gemeinsam einen furchtbaren Fall von Kindesmissbrauch bearbeiten. Und der dürfte jeden Leser mitnehmen. Dabei sind es nicht bloß die blutigen Details, mit denen Karin Slaughter schockiert. Ihr Thriller geht selbst hart gesottenen Naturen an die Nieren, weil die Autorin schonungslos abstoßende menschliche Abgründe thematisiert und ihre Figuren durch eine psychische Hölle schickt. Die Gnadenlosigkeit mutiert dabei nicht zum Selbstzweck. Sie rüttelt stattdessen auf, fährt bis ins Mark und fesselt gleichzeitig an das Buch. Denn zugrunde liegt eine ungemein spannende Geschichte, die kein einfaches Ende vorhält. So wird die Lektüre einen nachhaltig beschäftigen. (TD)