Buchrezension Irma Joubert – Das Mädchen aus dem Zug

Werbung
Werbung

 

IRMA JOUBERT
Das Mädchen aus dem Zug
Tussen Stasies
Band 2 der „Neethling“-Serie
Christlicher Liebesroman/ Historischer Roman
September 2014
Francke
PB, €17,95/ E-Book, €15,99

 


Gretel Schmidt und ihre Schwester Elsa können 1944 in Ostpolen aus einem Zug auf dem Weg ins KZ entkommen, doch ihre Mutter und Oma werden mit allen anderen Insassen in den Tod gerissen, als eine Bombe unter der Eisenbahnbrücke gezündet wird. Kurz darauf stirbt auch Elsa an Tuberkulose. Fortan kümmert sich der zwanzigjährige Jakób Kowalski um das kleine spindeldürre Mädchen und nimmt es in seiner Familie auf. Die Siebenjährige geht in die Schule, lernt schnell und gern, doch nach knapp vier Jahren geht der Familie das Geld aus, und Gretel muss wieder gehen. Jakób bringt sie nach Kiel, wo Waisenkinder für Adoptiveltern in Südafrika gesucht werden. Damit beginnt eine aufregende Reise in ein neues Leben. Jakób macht sich jedoch jahrelang schlimme Vorwürfe und kann das kleine Mädchen von damals nicht vergessen. Dabei ist Gretel längst eine Frau geworden.

In ihrem ersten auf Deutsch übersetzten Buch spannt Irma Joubert einen weiten Bogen von Polen während des Holocausts bis in die 1950er Jahre in Südafrika, der Heimat der Autorin, wo sie sich mit ihren einfühlsamen und sozialkritischen Romanen einen Namen gemacht hat. Die Schrecken des Kriegsalltags und das Leben im Ghetto stellt sie schonungslos dar. Die packende Schilderung lässt einen dabei alles um sich herum vergessen, und es entsteht das Gefühl, als wäre Gretel die eigene Oma, die ihre bewegte Lebensgeschichte erzählt, die trotz der schlimmen Erlebnisse in der Kindheit nicht nur traurig ist. Was sich zwischen Jakób und Gretel, die sich nach der Trennung immer nach einander gesehnt haben, anbahnt, wird warmherzig und sehr mitfühlend beschrieben. Bei ihrer Reise durch die Welt der Religionen stellt die Protagonistin schließlich fest, dass die Sprache des Herzens schlicht das Wichtigste ist. (BW)