Buchrezension Emma Carter – Herzdame sucht Herzbube

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EMMA CARTER
Herzdame sucht Herzbube
Jack of Hearts
Einzelband
Gegenwartsliebesroman
Januar 2006
Blanvalet
TB, €6,95

 

 


Kelly West arbeitet als Kinderärztin an einem neuseeländischen Krankenhaus. Ihr neuer Kollege Jack McEwan löst unerwartete Gefühle in ihr aus. Der als Herzensbrecher bekannte Arzt scheint nach knapp einem Monat im Dienst bereits seinem Ruf gerecht zu werden. Die Gerüchteküche brodelt, er habe schon etliche Eroberungen gemacht. Kelly, die nach einer herzlosen Ehe am Ende ohne Mann, dafür mit einem großen Schuldenberg dastand, lässt sich davon allerdings nicht abhalten, dem Frauenschwarm ganz offen Avancen zu machen. Dabei macht sie sowohl sich als auch Jack vor, es gehe ihr nur um Lust, nicht um Liebe.

Guter Kitsch kann herrlich sein, man genießt den süßen Geschmack, der auf der Zunge zergeht und Glückshormone ausschüttet. Schlechter Kitsch verursacht nur ein klebriges Gefühl auf den Zähnen und treibt die Zuckerwerte in die Höhe. Die Insulinspritze sollte bei der Lektüre von Emma Carters Buch jedenfalls griffbereit sein. Der Held ist einfach zu gut. Jede Frau scheint sich ihm an den Hals zu werfen, dabei ist er doch ein Romantiker und sucht nur nach der wahren Liebe. Was bei anderen Liebesromanen ein wohliges Seufzen entlockt, funktioniert hier überhaupt nicht. Die Heldin ist so widersprüchlich charakterisiert, man weiß nie, woran man mit ihr ist. Äußerlich selbstbewusst und sexuell aggressiv, ist sie eigentlich schüchtern und verklemmt. Während Kelly um Sex bettelt, bleibt Jack wehrhaft. Hat man sich als Leser daran gewöhnt, bekommt man, sozusagen ganz ohne Vorspiel, doch noch einige deftige Szenen serviert. Alles in allem ist der Roman einfach nicht stimmig und entwickelt sich zu einer Seifenoper im Weißkittelmilieu von zweifelhaftem Vergnügen. (TD)