Buchrezension Claire Dyer – Als gestern noch morgen war

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CLAIRE DYER
Als gestern noch morgen war
The Moment
Einzelband
Frauenroman
September 2014
Droemer
HC, € 19,99/ E-Book, €17,99

 

 


Auf dem Weg zu einem Töpferkurs in London mit ihrer Freundin hat Fern eine schicksalhafte Begegnung am Bahnhof Paddington. Sie hätte nie gedacht, Elliott je wieder zu sehen, nachdem sie sich vor gut fünfundzwanzig Jahren im Streit getrennt hatten. Während des Studiums waren sie ein Paar, bis Elliott Fern kurz vor ihrem Abschluss tief verletzt hatte. Spontan und in Eile tauschen sie ihre Handynummern aus. Als er später per SMS vorschlägt, sich abends nach seiner Rückkehr aus Wales, wo er den Haushalt seines im Heim lebenden Vaters auflösen muss, zu treffen, kann Fern nicht widerstehen zuzusagen. Den ganzen Tag hängt sie Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit nach und fragt sich, ob es wirklich klug ist, sich als verheiratete Frau um die fünfzig und Mutter zweier flügge gewordener Söhne mit ihrem ehemaligen Freund zu treffen. Elliott hingegen, der geschieden und Vater einer erwachsenen Tochter ist, sehnt die Verabredung herbei, will er doch endlich mit der Vergangenheit Frieden schließen.

Claire Dyers Debütroman umspannt eine Zeit von mehr als einem Vierteljahrhundert, dennoch verbindet Fern und Elliott in der Gegenwart rein gar nichts mehr miteinander, weil sie sich völlig aus den Augen verloren hatten. Dementsprechend ist jetzt auch wenig emotionale Nähe zwischen ihnen zu spüren. Vielmehr geht es für beide um das Heilen einer alten Wunde, wobei jedoch in den regelmäßigen Rückblenden lange unklar bleibt, was die Trennung so traumatisch gemacht hat. So interessant es ist zu erfahren, was passiert ist und wie sich ihre Leben entwickelt haben, ist es einem am Ende, so traurig das klingt, trotzdem irgendwie egal, wie ihre Zukunft ausgesehen hätte, wenn sie zusammengeblieben wären, was die Autorin am Ende auszuloten versucht. Ein bisschen mehr Gefühl wäre wünschenswert gewesen. (TD)