Ausblick auf die 89. Oscar-Verleihung

Oscars 2017Während hierzulande in den Karnevalshochburgen die Jecken die Stunden bis zum morgigen Rosenmontag zählen, fiebern Filmfreunde der heutigen Nacht entgegen. Denn um 2.30 Uhr unserer Zeit steigt im Dolby Theatre in Los Angeles die wichtigste Kinopreisverleihung des Jahres – die Oscars.

Ganz offiziell sind es die Academy Awards, die die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences (AMPAS) zum 89. Mal an herausragende Filmschaffende vergibt. Wer eine der begehrten goldenen Statuetten mit nach Hause nehmen darf, darüber befinden über 7000 Mitglieder. Nominieren dürfen sie allerdings nur in ihren eigenen Berufszweigen – Regisseure dürfen Regisseure vorschlagen, Schauspieler nur Kollegen für die Schauspielerkategorien. Nur in der Königsdisziplin – Bester Film – dürfen alle ihre Favoriten aufstellen.

Geworben wird um die Stimmen spätestens mit Bekanntgabe der Nominierungen im Januar. Aber bereits davor bringen sich die Studios und Produzenten in Stellung, um auf ihre Produktionen aufmerksam zu machen. Die Academy hat jedoch strenge Vorschriften, welche Art der „Wahlwerbung“ erlaubt ist, und setzt diese auch rigoros durch. So wurde in letzter Minute noch eine Nominierung annulliert. Einer der Tonmischer für „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ wird sich die Show – und vielleicht den Gewinn seiner Kollegen – nun von zuhause aus angucken müssen, weil er unerlaubt Academy-Mitglieder in Telefonanrufen um Unterstützung bat.

Viel gespannter ist alle Welt allerdings auf eventuelle Kontroversen während der mehrstündigen Show. Die Hollywood-Elite zeigt sich so politisch wie lange nicht nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Schon bei den Golden Globes im Januar wurden etliche Dankesreden für Seitenhiebe auf den neuen Präsidenten genutzt. Bei Twitter dürften die Drähte wieder heiß laufen.

Durch den Abend führt erstmals der in den USA sehr bekannte Late-Night-Talker Jimmy Kimmel. Als Laudatoren wurden etliche Vorjahresgewinner wie Leonardo DiCaprio und derzeit angesagte Schauspieler wie Jamie Dornan und Dakota Johnson verpflichtet. Der Glamour-Faktor bei den Oscars ist kaum zu überbieten. Großen Anteil daran haben seit Jahren besonders die Roben und der Schmuck der Schauspielerinnen. Für viele ist der Auftritt auf dem roten Teppich vor der Show deshalb mindestens so wichtig wie der im Saal oder auf der Bühne. Und bei der Nachlese wird es wie üblich auch wieder darum gehen, wer was anhatte, wer die Schönste war und wer sich bei seiner Garderobe vergriffen hatte.

La La Land - PosterWas die Preisträger angeht, so interessiert vor allem, ob das seit Wochen mit Lobeshymnen überschüttete Musical La La Land wirklich der große Abräumer wird. Mit vierzehn Nominierungen hat es zumindest schon einmal mit „Alles über Eva“ und „Titanic“ gleichgezogen, allerdings ist es in der Kategorie für den besten Filmsong gleich zwei Mal nominiert. Die große Frage ist, ob es einen neuen Rekord wird aufstellen können und somit vielleicht dreizehn die neue Oscar-Glückszahl wird. Zu schlagen gilt es „Ben Hur“, „Titanic“ und „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“, die alle drei auf insgesamt elf gewonnene Kategorien kamen. Ihren eigenen Rekord eingestellt hat jetzt schon Meryl Streep, die ihre zwanzigste Nominierung feiern durfte.

Auch in Deutschland wird kräftig mitgefiebert, hat es mit Maren Ades „Toni Erdmann“ doch mal wieder eine hiesige Produktion in die Endrunde als „Bester fremdsprachiger Film“ geschafft. Bei Kritikern kam er sehr gut an. Und inzwischen wird sogar von einem US-Remake gemunkelt.

Der Countdown läuft, und in wenigen Stunden heißt es wieder: And the Oscar goes to … Wer genau wissen möchte, welche Filme nominiert sind und welche Filmschaffende vor und hinter der Kamera gerade auf heißen Kohlen sitzen, der findet eine Übersicht über alle Kategorien und Nominierte auf der offiziellen Oscar-Webseite, wo auch wie in den Vorjahren ein Stimmzettel zum Herunterladen zu finden ist. Wir orakeln aber schon einmal, wie es in den Top-Kategorien ausgehen könnte.

Bester Film (Best Picture):

Arrival
Fences
Hacksaw Ridge
Hell or High Water
Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
La La Land
Lion – Der lange Weg nach Hause
Manchester by the Sea
Moonlight

Unser Favorit: La La Land
Ein nostalgisches Filmmusical, eine bunte Hommage an das längst vergangene Hollywood, ein bezauberndes Märchen vor der Kulisse der Traumfabrik aber vor allem ein Plädoyer für Träumer selbst, die auch Rückschlägen trotzen.
Aussichtsreichster Kandidat: La La Land
Hollywood liebt es, wenn es um Hollywood geht. Und manchmal erkennt es auch ein Meisterwerk.

Beste Regie (Directing):

Denis Villeneuve für Arrival
Mel Gibson für Hacksaw Ridge
Damien Chazelle für La La Land
Kenneth Lonergan für Manchester by the Sea
Barry Jenkins für Moonlight

Unser Favorit: Damien Chazelle
Er ist der Shootingstar des Regiefachs und zeigte schon mit „Whiplash“, wie begnadet er ist. Chazelle ist vor allen Dingen Cineast, und das spürt das Publikum.
Aussichtsreichster Kandidat: Damien Chazelle
Sein Können ist unbestritten. Mit seinem Filmmusical hat er zudem Mut bewiesen, und das kommt bei der Academy immer gut an.

 

Bester Schauspieler (Actor in a Leading Role):

Casey Affleck in Manchester by the Sea
Andrew Garfield in Hacksaw Ridge
Ryan Gosling in La La Land
Viggo Mortensen in Captain Fantastic
Denzel Washington in Fences

Unser Favorit: Ryan Gosling
Er kann singen, er kann tanzen, er kann Klavier spielen – und er verkörpert die Melancholie, die sich durch den Film zieht, bis in die Haarspitzen.
Aussichtsreichster Kandidat: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ryan Gosling & Casey Affleck
Dies wird wohl die am meisten umkämpfte Kategorie sein. Beide haben im Vorfeld schon etliche Preise für sich verbuchen können. So wird es hier auch viel nach Sympathie gehen. Und da könnte Gosling eine Nasenlänge vorne liegen.

 

Beste Schauspielerin (Actress in a Leading Role):

Isabelle Huppert in Elle
Ruth Negga in Loving
Natalie Portman in Jackie
Emma Stone in La La Land
Meryl Streep in Florence Foster Jenkins

Unsere Favoritin: Emma Stone
In Sachen Singen und Tanzen steht sie ihrem Filmpartner in nichts nach. Und sie zeigt von Unbekümmertheit bis Entmutigung die ganze Bandbreite an Phasen, die eine aufstrebende Schauspielerin, die ihren Traum verwirklichen will, durchlebt.
Aussichtsreichste Kandidatin: Emma Stone
Viele Kollegen werden sich mit der Rolle identifizieren können und mit dem Herzblut, das Stone hineingelegt hat.

 

Bester Nebendarsteller (Actor in a Supporting Role):

Mahershala Ali in Moonlight
Jeff Bridges in Hell or High Water
Lucas Hedges in Manchester by the Sea
Dev Patel in Lion – Der lange Weg nach Hause
Michael Shannon in Nocturnal Animals

Unser Favorit: Dev Patel
Ein zu Herzen gehender Stoff und eine ebenso zu Herzen gehende Darstellung. Den Preis sollte er sich dann aber mit Kinderdarsteller Sunny Pawar teilen, der dieselbe Rolle in jungen Jahren verkörpert und einem regelrecht das Herz herausreißt.
Aussichtsreichster Kandidat: Mahershala Ali
Dies könnte der „Trostpreis“ für Moonlight werden, der ansonsten vermutlich leer ausgeht. Verdient hätten es hier aber uneingeschränkt alle Nominierten.

Beste Nebendarstellerin (Actress in a Supporting Role):

Viola Davis in Fences
Naomie Harris in Moonlight
Nicole Kidman in Lion – Der lange Weg nach Hause
Octavia Spencer in Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen
Michelle Williams in Manchester by the Sea

Unsere Favoritin: Viola Davis
Davis schlüpft immer mit Haut und Haaren in ihre Rollen, und in „Fences“ spielt sie eine, in der sie ihr ganzes Repertoire abrufen kann.
Aussichtsreichste Kandidatin: Viola Davis
Schon mehrfach nominiert ist sie diesmal wirklich fällig.


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