Anna Katmore über „Teamwechsel“ und die „Grover Beach Team“-Serie

Cover - Katmore Anna - Teamwechsel - Self-publishedSpannung, Spiel & Schokolade
Zwei Bücher – eine Geschichte – zwei Perspektiven

Hi! Ich bin Anna, und für alle, die mich noch nicht kennen: Ich steh total auf Liebesgeschichten. Darum schreibe ich die selber auch am liebsten.

Eine dieser Geschichten war Teamwechsel, ein kurzer Highschool-Roman für mal schnell zwischendurch. Ich schwöre es, der liest sich in drei bis vier Stunden. In dem Buch geht es um Liza, die mit fast siebzehn Jahren immer noch den Stempel „ungeküsst“ auf der Stirn trägt und ganz plötzlich mitten in ein Spiel hineingerät, in dem sie der Hauptpreis ist.

Natürlich geht es dabei von Anfang bis Ende rund. Liza ist in Tony verknallt, der schon seit Kindergartenzeiten ihr bester Freund ist. Tony steht auf Chloe, die ein kleines bissiges Luder sein kann. Chloe will auch Tony, aber keiner weiß wieso. Und dann gibt es da noch Ryan Hunter, der wie leckere Schokostreusel auf diesen Wirrwarrkuchen aus erster großer Liebe und Fußball passt.

Als ich dieses Buch geschrieben habe, wusste ich am Anfang ehrlich nicht, wie es ausgehen würde. Ich hätte – und das schwöre ich bei den heiligen Seiten meines Lieblingsromans, EL James‘ Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen – mit einem ganz anderen Ende gerechnet. Aber wie so oft beim Schreiben haben auch hier die Charaktere irgendwann ihren eigenen Willen entwickelt, und ich durfte mich mit meinen Wünschen hinten anstellen. Letztendlich sind wir aber dann doch alle heilfroh gewesen, dass Liza bei dem Jungen landete, der sie auch wirklich verdient hat.

Wie ich schon sagte, das Buch ist ziemlich kurz. Das hat einen Grund. Ich wollte eine Geschichte erschaffen, die dem Leser keine Verschnaufpause gönnt. Hier sollte nicht viel Blabla um Gefühle stehen, nein, hier sollte sich was tun. Mit Vollgas von einem spritzigen Moment in den nächsten, zwei Sekunden zum Luftschnappen und dann gleich weiter mit viel, viel Romantik und Knistern, das dem Leser von vorn bis hinten ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Man sagt, es sei mir gelungen.

Cover - Katmore, Anna - Verknallt hoch zwei - Self-publishedUnd obwohl die Leser von Teamwechsel am Ende schwer begeistert waren, so waren sie dennoch nicht zufrieden. Bitte, bitte, schreib eine Fortsetzung!, kam in etwa 12.000 verschiedenen E-Mails. Ich war schon fast bereit, dem Wunsch Folge zu leisten, da kam eine ganz bestimmte Nachricht herein, die mich kurz innehalten ließ. Da stand nämlich: Bitte, bitte, schreib das Buch noch einmal! Komisch, oder? Das dachte ich zuerst auch, bis ich weiter las. Schreib das Buch noch einmal aus Ryan Hunters Sicht.

Die Idee gefiel mir. Ich dachte, es könnte mal ganz interessant sein, meinen männlichen Leadcharakter zu Wort kommen zu lassen. Und, oh mein Gott, hatte der Junge viel zu sagen!

Aber das war auch gut so, denn anders hätte das zweite Buch, Ryan Hunter – This Girl is Mine, niemals funktioniert. Einfach nur die Szenen zwischen ihm und Liza umzuschreiben und in einem netten Cover zu verpacken, wäre todlangweilig gewesen. Hier musste Pfiff rein. Etwas Neues. Etwas, das auch alle bisherigen Leser immer noch an die Seiten fesselte. Was wollen die Kinder immer in der Werbung? Spannung, Spiel & Schokolade!

Aber was macht Spannung aus in einer Liebesgeschichte, die schon jeder kennt? Ganz klar: die Szenen zwischen den Szenen.

Wenn ein Buch aus nur einer Sicht erzählt wurde, lässt einem das unendlich viel Platz für Neues. All die Momente, in denen das Mädchen alleine war – tja, Überraschung – da war auch der Junge allein. Und natürlich ist in all der Zeit auch in seinem Leben so einiges passiert. Dinge, die am Schluss zu dem geführt haben, was wir uns doch alle wünschen. Nämlich zum Happy End. Wer also ein Buch noch mal erfolgreich aus einer anderen Perspektive schreiben will, muss sich über eins von vornherein klar sein: Abschreiben gilt nicht! Hier muss von Grund auf alles neu erfunden werden. Natürlich muss man sich an den originalen Ablauf der Dinge halten und Mimik und Dialoge aus dem Vorgängerbuch eins zu eins übernehmen. Doch der Rest steht einem offen wie ein Süßigkeitenfach, und das sollte bis auf den Boden leergeräumt werden. Der Junge in Buch 2 muss ein ebenso interessantes Leben bekommen wie das Mädchen aus Buch 1.

Cover - Katmore, Anna - Die Sache mit Susan Miller - Self-publishedWidmen wir uns als Nächstes dem Spiel. Hier kommen die Gedanken des Jungen zum Tragen. Sie sind der eigentliche Grund, warum wir überhaupt an Buch 2 denken. Zur emotionalen Befriedigung, nach der die Leser am Ende von Buch 1 verlangen, müssen natürlich alle Szenen zwischen dem Liebespaar noch einmal wiedergegeben werden. Aber nicht einfach nur seitenverkehrt. Die intimen Gedanken des Jungen müssen so eingebaut werden, dass die Szenen einen ganz neuen Kick bekommen. Hierbei ist vor allem eins wichtig: Dass der Junge eine andere „Stimme“ bekommt als zuvor das Mädchen, sonst wird es nämlich langweilig. Extrapunkte gibt es für den Überraschungseffekt. Das geschieht, wenn hin und wieder eine völlig absurde „gedankliche“ Antwort auftaucht, mit der im ersten Buch niemand gerechnet hätte. In solchen Momenten wird der Leser gar nicht anders können, als sich sofort noch einmal Buch 1 zu schnappen und die Originalszene zu lesen, weil er sonst nämlich an Ort und Stelle vor Aufregung platzen würde. Gott, ich liebe solche Momente!

Nun gut. Das Grundgerüst hätten wir für unser zweites Buch, jetzt versüßen wir das Ganze noch mit ein bisschen Schokolade. Dazu brauchen wir unbedingt eine oder zwei Zusatzszenen, die das Publikum noch nicht kennt. Am besten eignet sich dafür das letzte Kapitel oder ein Epilog. Und die Leser werden begeistert sein!

Tja, ich hoffe, ich konnte euch überzeugen, dass ein und dieselbe Geschichte auch zweimal fesselnd sein kann. Ich habe das übrigens auch mit Band 5 und 6 in derselben Serie so gemacht, weil ich es liebe, meinen Lesern diesen Extrablick hinter die Kulissen zu gewähren. Und bei Verknallt hoch zwei, das in Die Sache mit Susan Miller aus der anderen Sicht erzählt wird, war das ja doppelt spannend. Wer das Buch gelesen hat, weiß warum.

Zum Abschluss habe ich noch ein kleines Überraschungsei für euch. Da ich schon so viel von „Teamwechsel“ erzählt habe, zeige ich euch auch, worum es geht.

Viel Spaß!


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Artikel & Cover © Anna Katmore